Gar nicht so leicht zu beantworten die Frage, was diese Ina Müller eigentlich ist. Moderatorin? Sängerin? Autorin? Kabarettistin? Alles zusammen – oder noch viel mehr?

"Ich bin die, die schnell mal auf die Nerven geht", singt Müller über sich selbst, "die brüllend auf dem Tresen steht". Immer irgendwie zu laut sei sie, eine Frau der schlimmsten Zoten, ungeduldig – und manchmal könne sie sich selbst nicht mehr reden hören.

Das klingt schon nach Seelenstriptease, dieses erste Lied, nach dem Müllers neue Platte benannt ist, dabei aber weder mitleidig noch beifallheischend. Sie ist halt so, klingt da durch – Ina Müller mag sich, das merkt man nicht nur diesem Lied an.

Dieses Selbstbewusstsein verpacken Müller und ihre Band in 13 Songs zwischen Country, Singer-Songwriter und Blues-Rock – musikalisch ist "Ich bin die" solide Ware. Und inhaltlich? Macht das Album vor allem Menschen Spaß, die Ina Müller schon kennen und mögen. Alle anderen könnten sich durchaus fragen, wen es interessiert, wie die 52-Jährige aufgewachsen ist oder warum sie plötzlich ihren Lieblingswein nicht mehr mag. Alltagsgeschichten für Fans.

Die wenigen Ausnahmen sind Songs wie "Wie du wohl wärst". Unterlegt mit einem etwas schiefen Klavier besingt Ina Müller da das Kind, das sie nie hatte – einfühlsam und etwas wehmütig. Und wenn sie das tut, echte Geschichten erzählen, die trotzdem noch persönlich sind, dann ist sie am besten, dann hört man ihr gerne zu. Denn dann wird "Ich bin die" von einer Talkshow mit sich selbst zu einer Biografie im Kleinformat.