Die Großeltern sind in immer mehr Familien einfach unentbehrlich – und im Alltag echte "Allzweckwaffen".

Fragen, die mit "Oma, kannst du bitte" beginnen, sind oft rhetorischer Natur. Vor allem, wenn es um die Enkel geht, sind Oma und Opa in der Regel sofort für Gefälligkeiten jeglicher Art bereit. Auf die Großeltern ist Verlass.
Das wissen besonders berufstätige Eltern zu schätzen – wenn Kindergarten oder Schule ausfallen, wenn die Kinder erkältet das Bett hüten müssen, wenn sich der Feierabend nach hinten verschiebt. Ein Anruf genügt – und Oma und Opa sind zur Stelle.
Dass dies keine Ausnahme ist, belegt eine Betreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Demnach verbringt jedes dritte Kind im Alter bis zu drei Jahren regelmäßig mehrere Stunden pro Woche bei den Großeltern. Mit steigender Beschäftigtenzahl dürfte auch dieser Wert weiter anwachsen.

Leih-Omas und -Opas als Angebot
Eine noch gewichtigere Rolle spielt die ältere Generation bei der gelegentlichen Betreuung ihrer Enkel. Laut DJI-Studie greifen zwei Drittel aller Eltern hin und wieder auf ihre Eltern als Babysitter zurück.
Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Familien nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen. Doch selbst wenn Oma und Opa nicht in der Nähe sind oder aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, sich um die Enkel zu kümmern, gibt es Lösungen: Vielerorts bieten Nachbarschaftsinitiativen und soziale Verbände die Vermittlung von Leih-Omas und -Opas an. Häufig ist das Angebot sogar größer als die Nachfrage.
Einen weiteren Vorteil des generationsübergreifenden Zusammenlebens betont die Sozialpädagogin Sylvia Görnert-Stuckmann, Autorin des Buches "Oma ist die Beste: Warum Großeltern wichtig sind": "Großeltern können oft die Zeit mit ihren Enkeln besser genießen. Sie haben nicht den Drang der Eltern, pädagogisch handeln zu müssen – das machen ja schon die anderen."
Zudem biete der Umgang mit den Enkeln ihnen die Chance, "Dinge heute ganz anders machen zu dürfen als früher". Mussten sie bei der Erziehung der eigenen Kinder aus pädagogischen – oder auch finanziellen – Gründen den Kleinen noch Wünsche  abschlagen, fällt ihnen ein "Ja" bei den Enkeln viel leichter.
Die Nachgiebigkeit muss nach Ansicht der Sozialpädagogin aber auch Grenzen haben: Aus pädagogischer Sicht spreche zwar nichts gegen mehr Großzügigkeit gegenüber den Enkeln, Ausnahmen sollten aber mit den Enkeln und deren Eltern abgesprochen sein.

Nicht alles durchgehen lassen
"Regeln, die die Eltern aufgestellt haben, dürfen nicht wissentlich gebrochen oder gedehnt werden, sonst entstehen ungesunde Konkurrenzsituationen", sagt Sozialpädagogin Görnert-Stuckmann. Vor allem gelte es, sich an die wirklich wichtigen Regeln zu halten. Auch Großeltern dürften den Kleinen nicht alles durchgehen lassen.
"Wenn Großeltern geltende Regeln missachten, sollte man am besten sofort darauf reagieren", rät Dominik Schöbi, Direktor des Instituts für Familienforschung an der Universität Freiburg.
Schließlich sollen sie ihr Fehlverhalten verstehen und daraus lernen. Meist sei es kein böser Wille, wenn sich Oma und Opa über die Vorgaben hinwegsetzen. "Großeltern haben es vielfach gar nicht auf ihrem Radar, dass andere Regeln herrschen. Und es ist eher ein Automatismus als ein Fehlen von Respekt", sagt der Psychologie-Professor.
Unterm Strich kommt es einfach darauf an, dass die Hauptpersonen, also die Großeltern und Enkel, mit der Situation zufrieden sind. Genau das hat der Züricher Soziologe François Höpflinger in der bisher größten Untersuchung zum Verhältnis der beiden Generationen zueinander herausgefunden: Von etwa 700 Kindern und 500 ihrer Großeltern gaben mehr als 90 Prozent an, dass ihnen die Beziehung wichtig sei.