Lange Zeit waren sie vor allem bei jüngeren Männern out, seit einigen Jahren jedoch sind Bärte wieder allgegenwärtig. Als Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins wirken sie klassisch, cool und modern. Doch egal welcher Typ – ein Bart bedarf der richtigen Pflege.

Sie heißen "Ducktail" – übersetzt Entenschwanz – oder nach unterschiedlichen historischen und aktuellen Vorbildern mal königlich "Henriquatre", mit Starpotenzial "Hollywoodian" oder "The ZZ" nach der US-Band ZZ Top mit bis zur Brust reichenden Graubärten. Mode, Schnitte, Vorlieben haben sich vielleicht geändert. Eines ist geblieben: Bärte sind hip.

Der Beweis ist für Antonio Weinitschke die zunehmende Zahl an Barbershops. "Der Trend ist nach wie vor ganz klar im Gange. Es werden vielerorts weitere Läden eröffnet", berichtet der Aachener Friseurmeister, der seit 2017 Art-Director des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks ist. "Männer haben ihren eigenen Wellnessbereich gefunden", sagt der 51-Jährige über diese Entwicklung.

Prominente setzen Trends

Ob Kaiser Wilhelm oder auch US-Präsident Abraham Lincoln – in der Vergangenheit wurden immer wieder mächtige Männer zu Vorbildern für den ganz normalen Bartträger. Heutzutage sind es meist Schauspieler, Musiker und andere Stars, die Trends setzen. "Oft sind es Idole, ob nun Johnny Depp oder Ben Affleck, die die Mode bestimmen", sagt Weinitschke. Ein aktueller Trend, den er gerade international beobachtet, ist der Oberlippenbart. "Der Stil geht in Richtung Freddie Mercury. Diese Welle schwappt aus England zu uns", sagt Weinitschke, "es dauert aber meist bis zu fünf Jahre, bis sich ein solcher Trend in Deutschland durchsetzt."

Ob Drei-Tage-, Vollbart oder außergewöhnliche Bartfrisur, wichtig ist laut Weinitschke vor allem, "dass das Ganze zu Typ, Gesichtsform und Haarschnitt passt und gepflegt wird". Konturen ausrasieren und auch mal einzelne zu lange Haare stutzen, das könnten Bartträger selbst. Aber ein guter Bartschnitt müsse alle vier Wochen nachgearbeitet werden.

Bartöl macht Haar geschmeidig

Beim Friseur oder Barbier wird das Gesichtshaar bei solchen Terminen als Erstes gekämmt oder gebürstet. Das entknotet und säubert gleichzeitig. "Vor dem Schneiden waschen wir nicht – trocken kommt man zu einem besseren Ergebnis", erzählt Simon Hiddinger, der seit drei Jahren bei "Rowdy Barbers" mit Filialen in Berlin-Charlottenburg und Prenzlauer Berg arbeitet. Zum Formen kommt zunächst eine Maschine zum Einsatz, für die Feinheiten dann aber die Schere. "Bevor wir mit dem Rasiermesser Wangen, Ohren und Hals ausrasieren, werden mit Kompressen die Poren geöffnet", erzählt der 30-Jährige.

Ansonsten empfiehlt der Barbier Bartöl – auch für die Pflege zuhause. "Nach dem Durchkämmen – je nach Länge sollte das jeden Tag passieren – sollte das Öl ein paar Mal in der Woche zur Haut- und Haarpflege in den trockenen Bart verteilt werden", rät der Berliner, dessen Kunden "zu 99 Prozent einen Standardvollbart in unterschiedlichen Längen haben."

Viele Barbiere verkaufen solche Kosmetik auch, angefangen beim Bartshampoo. Aber auch Supermärkte, Drogerien und Bioläden führen mittlerweile entsprechende Sortimente. Grundlage fürs Bartöl, das längeres Gesichtshaar geschmeidig und weich macht und glänzen lässt, sind Trägeröle wie Mandel-, Traubenkern-, Jojoba-, Leindotter-, Kokos-, Macadamianuss- oder Aprikosenöl. Sie bleiben naturbelassen oder duften nach Eiche, Zedern- oder Sandelholz, Lavendel oder Rosmarin, Zitrone, Limette, Apfel oder Erdbeere. "Die meisten unserer Kunden mögen vor allem nostalgische Düfte, die an Rasierwasser erinnern", sagt Hiddinger. Fürs Stylen werden dann noch Balm, Balsam, Pomade und Wachs für mittleren bis starken Halt verwendet. Sie enthalten ebenfalls oft Öle oder Kakao-, Sheabutter, Bienen-, Carnaubawachs oder Lanolin.

Vorsicht bei Hautallergien

Angesichts der großen Produktpalette für Bartträger rät Dr. Peter Weisenseel allerdings, nicht zu überpflegen und bei allem den Hauttyp zu berücksichtigen. "Grundsätzlich habe ich keine Bedenken. Die meisten vertragen das alles sicher gut", sagt der Facharzt für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg. Aber wer beispielsweise zu fettiger Haut und Pickeln neige, solle nicht zu ölige Pflegemittel verwenden. Bei Männern mit trockener Haut oder Neurodermitis könnten durch Duftoder Konservierungsstoffe Hautreizungen entstehen. Weisenseel mahnt: "Duftstoffe gehören seit Jahren zu den Top drei bis fünf Allergenen, die Kontaktallergien auslösen können."