Ob auf dem Schiff, unter der Erde oder voller Sünde: Weihnachtsmärkte können viel mehr als nur Glühwein.

Zwei Millionen Besucher. So viele Gäste hat der Christkindlesmarkt in Nürnberg jedes Jahr. Damit ist er der wohl berühmteste Weihnachtsmarkt in Deutschland. Und auch in diesem Jahr dürften vom 25. November bis 24. Dezember wieder die Massen nach Franken strömen – selbst wenn Glühwein und Lebkuchen in der Adventszeit fast überall angeboten werden. Sich vom festlichen Einerlei abzuheben, ist für Veranstalter schon eine Herausforderung geworden.

Und doch: Es gibt sie – die ungewöhnlichen Orte, exklusiven Angebote oder verrückten Kombinationen, die einen Besuch mehr als wert sind. Je nach Neigung kann dabei unter anderem zwischen schwankenden Schiffsplanken und märchenhafter Atmosphäre gewählt werden.

Ganz im Zeichen der Gebrüder Grimm steht etwa der Märchenweihnachtsmarkt in Kassel vom 21. November bis 30. Dezember. In diesem Jahr widmet er sich "Schneewittchen". Auf dem Friedrichs- und Königsplatz in der Innenstadt verzaubern eine Kulisse aus Märchenfiguren, ein Märchenwald und die weltgrößte Märchenpyramide.

Rentierwurst und Elchfleisch

Themen-Weihnachtsmärkte finden Besucher auch in Berlin und Hauzenberg im Bayerischen Wald. Während der Skandinavische Weihnachtsmarkt vom 21. November bis 22. Dezember am Prenzlauer Berg Nordeuropa näher bringt, lädt die Granitstadt Hauzenberg an den Advents-Wochenenden, also donnerstags bis sonntags, zum "Christkindlmarkt im Stoabruch" ein.

Der Weihnachtsmarkt in Berlin bietet exotische Delikatessen wie Rentierwurst und Elchfleischbällchen. Stilecht sind Feuerstellen und Wärme-Hütten mit Sauna-Ofen zum Aufwärmen. In Hauzenberg wartet ein Märchen aus Stein, Licht und Musik: Im stimmungsvoll erleuchteten Steinbruch erklingen gregorianische Gesänge.

Ungewöhnliche Orte haben sich auch Veranstalter in Baden-Württemberg, Rheinland- Pfalz und Niedersachsen ausgesucht: Eine spektakuläre Kulisse erblicken Weihnachtsmarktbesucher an den vier Adventswochenenden am Eingang zur Ravennaschlucht im Hochschwarzwald. Dort stehen die Holzhütten mit Kunsthandwerk und Spezialitäten aus dem Schwarzwald unter einem 40 Meter hohen, erleuchteten Viadukt der Höllentalbahn.

Tief im Weinkeller

Unter die Erde geht es dagegen in Traben-Trarbach beim Weihnachtsmarkt im Weinkeller – vom 25. November bis 18. Dezember freitags bis sonntags geöffnet und vom 22. Dezember bis 3. Januar täglich. Beim unterirdischen Markt in der "Vinotropolis" – ein Netz aus traditionellen, ehemaligen Weinkellern – stehen Wein, Genuss und Kultur im Mittelpunkt.

Wer sich lieber frische Seeluft um die Nase wehen lässt, findet vom 21. November bis 23. Dezember sowie vom 27. bis 31. Dezember in Emden eine maritime Alternative. Ein Teil der Buden des schwimmenden Engelkemarktes steht an Bord von Museumsschiffen und Traditionsseglern.

In Unterfranken verwandelt sich an den Advents-Wochenenden gleich ein ganzes Dorf in einen Weihnachtsmarkt. In der 1700 Einwohner zählenden Gemeinde Sommerhausen bei Würzburg werden Höfe, Scheunen, Gewölbekeller, Galerien und Ateliers zu Buden. Besonders beliebt ist der Glühwein aus Trauben der umliegenden Weinhänge.

Zeitreise ins Mittelalter

Auf Exklusivität setzt auch der Unikat-Weihnachtsmarkt von 9. bis 11. Dezember auf Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach bei Köln. Neben 50 Ausstellern, die ihre regionalen Produkte in kleinen Fachwerkhütten feilbieten, präsentieren mehr als 40 kleine Gewerke und Hobbydesigner ihre individuellen Unikate.

Unweit von Köln, in Mechernich auf Burg Satzvey, erleben Besucher vom 26. November bis 18. Dezember eine Zeitreise ins Mittelalter. Mehrmals täglich wird im Park der Burg ein detailverliebtes Krippenspiel inszeniert.

Selbst an Deutschlands sündigster Meile geht die Vorweihnachtszeit nicht spurlos vorüber. Wer beim erotischen Weihnachtsmarkt vom 17. November bis 23. Dezember auf dem Spielbudenplatz im Hamburger Stadtteil St. Pauli nach traditionellen Weihnachtsgeschenken sucht, wird nicht fündig. Nicht umsonst ist der Besuch einiger Zelte beim Santa-Pauli-Markt erst ab 18 Jahren gestattet.

Hinter diesem frivolen Treiben an der Reeperbahn braucht sich die Rosa X-Mas in München nicht zu verstecken. Der Weihnachtsmarkt am Stephansplatz vom 24. November bis 23. Dezember ist laut Veranstalter Robert Maier-Kares "der kleinste, aber auch bunteste Weihnachtsmarkt der Stadt. Wir feiern für und mit Schwulen, Lesben, Nachbarn, Freunden und allen, die Spaß an einem friedlichen und bunten Miteinander haben." O du originelle Weihnachtszeit!