E-Bikes gelten als schwer, reparaturanfällig und – glaubt man aktuellen Diskussionen – sogar als gefährlich. Doch der Trend zum "Pedelec" ist ungebrochen. Wir haben mit "MYBIKE"-Chefredakteur Thomas Musch über das Phänomen gesprochen.

Herr Musch, wie steht es derzeit um den E-Bike-Trend, von dem alle reden? Genauso "gut" wie um den Trend der E-Autos? Oder kommt die Branche hier wirklich in Schwung?

Um den E-Bike-Trend ist es meines Erachtens deutlich besser bestellt als um den E-Auto- Trend. Hier bietet eine ganze Branche seit Jahren attraktive, bezahlbare und ausgereifte Produkte an, die Spaßgeräte und Problemlöser für tausendundeine Mobilitätsanforderung gleichermaßen sind. Der Bestand in Deutschland wächst zudem seit Jahren rasant auf jetzt schon weit mehr als zwei Millionen. Das kann man von E-Autos so nicht gerade sagen.

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden für E-Bikes?

Spezielle Hürden für E-Bikes sehe ich eigentlich gar keine – aber immer noch sehr viele für das Fahrrad und den Radverkehr insgesamt. Letztlich sind E-Biker ja auch Fahrradfahrer, die darunter leiden, dass es immer noch viel zu wenig sichere, gut ausgebaute Straßen und Wege gibt, um dem Fahrradverkehr den Stellenwert zu ermöglichen, den er verdient hat, um unsere Städte lebenswerter, umweltfreundlicher, leiser und sauberer zu machen.

Immer wieder hört man davon, E-Bikes seien ein Sicherheitsrisiko, weil Fahrer ihre Geschwindigkeit unterschätzten. Was ist dran an diesem Gerücht?

In den allermeisten Fällen halte ich es wirklich für ein Gerücht. Im städtischen Umfeld und in Regionen, in denen viele Tourenradler mit E-Bikes unterwegs sind, kann man beobachten, dass die meisten E-Bike-Fahrer kaum schneller fahren als Radler ohne Motor. Der größte Nutzen des Pedelecs liegt für die meisten Menschen darin, sich weniger anstrengen zu müssen und die Sicherheit zu haben, ihr Ziel zu erreichen. Ein Problem ist allerdings schon, dass insbesondere Radler mit E-Mountainbikes aufgrund des Antriebs in Regionen gelangen, die ihnen bislang verwehrt waren. Manchen fehlen dann die fahrtechnischen Fähigkeiten, auf steilen Bergstrecken wieder sicher ins Tal zu gelangen.

Sie bringen mit MYBIKE seit Februar ein Magazin mit E-Bike-Schwerpunkt heraus. Das heißt, der Markt in diesem Bereich scheint ja doch recht groß zu sein …

MYBIKE ist zwar kein Magazin nur für E-Bikes, aber ein Magazin für alle Themen rund ums Fahrrad und Radfahren, in dem das Thema E-Bike einen Schwerpunkt darstellt. Neudeutsch könnte man sagen, es bildet den Lead. Aber Tatsache ist, dass durch das E-Bike das Radfahren insgesamt viel stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und damit in den Blickpunkt des Interesses gerückt ist. Wer sich ein E-Bike kauft, fährt auch damit – und wer mehr Rad fährt, interessiert sich fast zwangsläufig für Themen, die damit zusammenhängen. Das reicht von Tests über Tipps zur Ausrüstung, Revierempfehlungen für Urlaubstouren bis zu verkehrspolitischen Themen. Über all das informiert MYBIKE kompetent und unterhaltsam.

Anders als beim Auto gibt es beim Fahrrad ja durchaus Stimmen, die sagen, mit einer Batterie zu fahren, hieße, zu "schummeln". Wie stehen Sie persönlich dazu?

Ich finde das albern. Zum einen ersetzen E-Bikes ja nicht alle anderen Fahrräder. Wer Radfahren als Sport betreibt, kann ja auch weiterhin mit seinem Rennrad oder Mountainbike trainieren und Wettkämpfe bestreiten. Abgesehen davon, kann ich nur jedem, der es noch nicht gemacht hat, empfehlen, sich selbst mal auf ein E-Bike zu setzen, vielleicht sogar auf ein E-Mountainbike. Da wird jeder sehr schnell feststellen, dass man auch mit dem Schub aus einem E-Motor intensiv Sport treiben und sich auspowern kann. Man ist dann unter Umständen schneller unterwegs und früher auf dem Berg, aber bei Bedarf genauso fertig.

Und die Angst vieler Konsumenten, E-Bikes seien wartungsintensiver?

So pauschal würde ich das nicht sagen. Aber es ist sicher so, dass ein E-Bike Aufmerksamkeit und Pflege verlangt, aber das gilt eigentlich für jedes Fahrrad, wenn es sicher und zuverlässig funktionieren soll. Klar: E-Bikes sind schwerer als Fahrräder ohne Antrieb, das erhöht die Belastung für viele Teile schon mal von vorneherein. Je nach Motortyp am E-Bike werden bestimmte Teile durch die auftretenden Kräfte stärker beansprucht und können schneller verschleißen; die Kette etwa oder auch Reifen und Bremsbeläge. Das muss man im Blick behalten und sich darum kümmern.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass E-Bikes schwer und plump seien. Stimmt das noch?

Schwer sind E-Bikes, das geht nicht anders. Motor und angepasste Technik, vor allem aber der Akku, bringen zusätzliches Gewicht. Ein E-Bike wiegt durchschnittlich um die 25 Kilogramm, mit 20 Kilogramm darf es als leicht gelten. Beim Fahren merkt man das nicht, E-Bikes sind alles andere als plump. Wer sein Rad aber häufiger tragen muss – in den Keller oder in die Wohnung –, sollte das bedenken.

Ein Problem beim E-Auto sind die hohen Preise und das schlechte Versorgungsnetz. Sieht das im Fahrradbereich besser aus?

Das ist alles eine Frage des Standpunkts. Qualität kostet. Einfach ausgestattete, günstige E-Bikes gibt es ab 1 500 Euro. Qualitativ hochwertige Räder aus dem Fachhandel sind ab 2 000 bis 2 500 Euro zu haben. Und die meisten Fahrradfachhändler bieten inzwischen E-Bikes an. Angebot und Händlernetz sind jedenfalls groß und mit dem E-Auto-Markt nicht zu vergleichen.

Insbesondere bei den Akkus scheint es so zu sein, dass ältere Modelle bereits beginnen zu schwächeln. Was können Besitzer hier tun?

Akkus halten nicht ewig, das kennt jeder von seinen diversen Elektrogeräten, nicht zuletzt vom Smartphone. Irgendwann schwindet die Kapazität. Ein E-Bike-Akku kann nach etwa 1 000 Ladezyklen – das ist von Rad zu Rad sehr unterschiedlich und hängt stark von der Nutzung ab – verbraucht sein und muss ersetzt werden. Dem einen oder anderen mag das wenig erscheinen, aber ein E-Bike kann dann je nach Nutzungssituation auch 80 000 Kilometer und mehr auf dem Buckel haben. Ich empfehle aus Sicherheitsgründen, unbedingt und nur Originalersatzteile beim Fachhändler zu kaufen, der den alten Akku auch zurücknehmen und fachgerecht entsorgen muss.

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