Ob auf Reisen, beim Spazierengehen oder beim Sport: Mit Podcasts hat man sein ganz individuelles Radioprogramm immer dabei.

Als die "Supernasen" Thomas Gottschalk und Mike Krüger 1982 mit ihrem illegalen Radiosender auf Tour gehen, brauchen sie dafür noch einen Kleinbus voller Technik. Ihr "Radio Powerplay" wird von den Menschen geliebt, aber von der Polizei verfolgt – quer durch Deutschland geht die Jagd. Ein voller Erfolg: "Piratensender Powerplay" wird einer der Kinohits der 1980er-Jahre. Nicht nur das Kino, auch die Medien haben sich seitdem verändert. Privatsender sind längst etabliert, Piratensender so gut wie verschwunden. Doch die größte Veränderung: Durch das Internet kann heute jeder seinen eigenen "Sender" betreiben. Das "Podcasting", ein Kofferwort aus Apples MP3-Spieler iPod und "Broadcasting" ( Rundfunk), bietet Hörern eine echte, individuelle Alternative zum Radio.

Das Prinzip: Menschen nehmen mit einem Computer mit Mikrofon oder einem Smartphone Inhalte auf und laden sie ins Internet. Gesammelt werden sie in Verzeichnissen wie www.podcast.dewww.podster.de oder Apples iTunes-Store, in dem auch Musik, Filme und Hörbücher verkauft werden.

Hier können sie dann abonniert und abgespeichert werden, mit dem Computer, aber auch per Smartphone-App oder MP3-Player. Für die Hörer hat das zwei Vorteile: Sie sind nicht mehr an Sendezeiten gebunden und können ihre Lieblingsangebote – anders als in einer Mediathek – archivieren und überallhin mitnehmen. Und Gelegenheiten, diese Inhalte zu konsumieren, gibt es genug, ob auf Reisen – bei Wartezeiten, im Zug oder im Flieger –, beim Spazierengehen oder beim Sport, beim Kochen oder bei anderen Tätigkeiten, die wenig oder gar keine Konzentration erfordern.

Sport, Kultur, Ratgeber

Thematisch gibt es dabei kaum Grenzen. Von Politik, Sport und Gesellschaft bis hin zu Kultur, Gesundheit oder Ratgeberthemen reicht die Spanne. Da plaudern Freizeitgärtner über ihre Balkone, Fußballfans über den aktuellen Spieltag, Hobbyköche über ihre besten Küchentricks oder Krimi-Liebhaber über den letzten Tatort.

Besonders praktisch: Viele Podcasts haben Sendungsnotizen, sogenannte "Shownotes". Sie enthalten oft auch Links, unter denen sich im Internet weiterführende Informationen zum Thema finden.

So groß die Bandbreite ist, so groß sind auch die Unterschiede bei der Produktion: Manche Podcasts haben nur einen einzigen Sprecher, bei manchen handelt es sich um größere Gesprächsrunden, wieder andere sind aufwändig produzierte Reportagen. Und längst stellen auch Radiosender Teile ihres Programms nachträglich als Podcasts ins Netz – zum Mitnehmen und immer wieder Nachhören.

So bieten die meisten öffentlich-rechtlichen Radiosender Podcasts an. Beim WDR etwa findet man Sendungen wie den "MonTalk" oder den "Stichtag", Buch- und Kunstrezensionen von WDR3 oder andere beliebte Sendungen wie "Ullas Erfolgsrezepte" zum Nachhören. Alle Podcasts des WDR können Sie im Internet unter www.wdr.de/mediathek/podcast finden. Auch der NDR bietet einen gebündelten Überblick auf www.ndr.de/radio/podcasts darüber an, welche Sendungen als Podcast zur Verfügung stehen – darunter beispielsweise "Tietjen talkt", "Gedanken zur Zeit" oder "ZeitZeichen". Und ebenso fündig wird man beim MDR, hier können Sie unter www.mdr.de/mediathek/podcasts nachlesen, welche Podcasts Sie abonnieren können – etwa die "Netzreporter" von MDR Jump oder "Das tägliche Feuilleton" von MDR Kultur. Ähnliche Übersichten bieten fast alle Radiosender.

Podcast-Apps fürs Smartphone

Ihre große Stärke aber spielen Podcasts aus, wenn Inhalte nicht im klassischen Radio verfügbar sind. So bietet das Deutschlandradio nicht nur Aufzeichnungen seiner Sendungen vom Haussender oder von DRadio Kultur als Podcast an, sondern auch Formate des nur digital empfangbaren Kanals DRadio Wissen wie "Was mit Medien" oder "Das perfekte Buch". Alle Sendungen können Sie hier im Internet unter www.dradiowissen.de/podcasts finden.

Wer keine Lust hat, sich durch die Listen der einzelnen Sender oder Anbieter zu wühlen, kann bei den meisten Podcast-Apps, die es für Smartphones gibt, auch die Suche nutzen. Über sie lassen sich Sendungen auch nach Stichwörtern finden und abonnieren – etwa, indem Sie nach "Kochen", "Krimi", "Garten" oder einem anderen Thema suchen, das Sie interessiert.

Apropos Apps. Wenn Sie einen Tipp brauchen, welche Apps sich lohnen: Auf Android-Smartphones sind beispielsweise "Pocket Casts", "Beyond Podcast", "AntennaPod", "Doggcatcher" oder "Podcast & Radio Addict" zu empfehlen, für iPhones gibt es beispielsweise "Overcast", "Pocket Casts", "Castro", "Downcast" oder die "Podcasts"-App von Apple. Zum Installieren öffnen Sie auf Ihrem Android-Smartphone einfach Google-Play und suchen nach dem entsprechenden Namen der App, auf dem iPhone öffnen Sie dafür den App-Store. Die meisten dieser Apps gibt es in einer werbefinanzierten, kostenlosen Version – die werbefreien Premium-Versionen kosten zwischen 2,99 und 7,99 Euro.

Kein Kleinbus voller Technik mehr

Und sollten Sie jetzt Lust haben, selbst einen Podcast aufzunehmen und zu veröffentlichen: Ein wenig Phantasie und technisches Knowhow vorausgesetzt, steht dem nichts im Wege. Erste Informationen zu diesem Thema liefern wir Ihnen in unserem Infokasten auf dieser Seite. Alles, was Sie dazu brauchen, ist ein Computer mit Mikrofon oder ein halbwegs modernes Smartphone, eine gute Idee – und vielleicht ein bisschen Mut für die Umsetzung.

Die Veröffentlichung selbst ist dabei ebenso kostenlos wie das Abonnement, eine Sendelizenz braucht heute niemand mehr. Und einen Kleinbus voller Technik, wie Thomas Gottschalk und Mike Krüger, erst recht nicht.