Sie gehen, rennen, winken oder stehen einfach nur so da: viele stoisch mit angewinkelten Armen, manche sogar mit geschultertem Gewehr, andere in beherzter Trinkerpose. Die Rede ist von Ampelmännchen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Fußgängern in aller Welt anzeigen, wann sie sicher auf die andere Straßenseite kommen.

Die Geschichte des kleinen Mannes ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Karl Peglau. Der leitende Verkehrspsychologe der ehemaligen DDR war davon überzeugt, dass Unfallgefahren im Straßenverkehr minimiert werden könnten, wenn jeder Verkehrsteilnehmer seiner eigenen Signalanlage folgte. Doch damit nicht genug: Peglau – ganz Psychologe – wusste, dass sich Fußgänger eher mit Personen als mit Farbsignalen identifizieren würden und schuf 1961 eine Figur, die buchstäblich die Erleuchtung brachte. Das "Ost-Ampelmännchen" war von rundlicher Gestalt und ließ sogar Gesichtszüge unter der Hutkrempe erahnen. Es glänzte in seiner grünen Variante durch forsch-dynamische Bewegungslust und stehend als roter Warner, der seine Aufgabe todernst zu nehmen schien. Durch Knollennase und rundlichen Bierbauch wirkte die Figur dennoch sympathisch. Das war durchaus gewollt. "Reserve Christus – blöd" schrieb Peglau seinerzeit an den ersten Entwurf eines eher schemenhaften, gesichts- und hutlosen Vorläufers seines späteren Topstars, der mit ausgebreiteten Armen "Halt" anzeigen sollte und dabei tatsächlich unfreiwillig "gekreuzigt" wirkte.

In der Folge tauchten die Signalfigürchen auf der ganzen Welt in unterschiedlichen Formen und Facetten auf. Als Frau im niederländischen Amersfoort, als Soldat im dänischen Fredericia, als Mönch in der Mongolei, als Rentier in Hannover, als Ottifant in Emden oder als Trinker in Prag. Eher nüchtern und unpersönlich wirkt hingegen das gängige "Euromännchen".

Sein ostdeutscher Urgroßvater ist derweil längst zum Trendsetter geworden. Nach der Wende trat der Ampelmann mit Hut auch in Teilen der alten Bundesländer seinen Siegeszug an. In Berlin animierte er sogar einen Unternehmer zur Gründung der "Ampelmann"-Shops, in denen es vom Schlüsselanhänger über den Bademantel bis zu Gummibärchen alles gibt, was das Fanherz begehrt. So wurde aus einer nützlichen Idee ein echter Popstar, der wohl auch in der Zukunft noch vielen Generationen als leuchtendes Vorbild im Straßenverkehr dienen wird.