Mit Rechten reden? Wie das gehen soll, das haben Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn in ihrem gleichnamigen Buch dargelegt – und damit eine Debatte ausgelöst. Doch eine fast noch wichtigere Frage haben sie ausgeklammert. Nicht die, wie man mit Rechten redet, sondern über sie. Martin Roth, einer der angesehensten Kulturwissenschaftler und Museumsdirektoren des Landes, der im August erst verstorben ist, hat sich dieser Frage kurz vor seinem Tod aus einer ganz besonderen Perspektive gewidmet: aus der Perspektive seiner eigenen Familie.

Kernthese seines Buches: "Europa wird durch Populismus, Nationalismus und autoritäre Tendenzen bedroht." Dagegen muss man sich engagieren, so Roth. Und das beginnt im engsten Kreis. Also hat der ehemalige Chef so renommierter Häuser wie des Deutschen Hygiene-Museums, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Victoria-and-Albert-Museums in London sich mit seinen Kindern Mascha, Clara und Roman an einen Tisch gesetzt und debattiert. Das Ergebnis: das Buch "Widerrede! Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement" (hier bei Amazon bestellen).

Beeindruckend an diesem schmalen Band ist vieles. Zunächst, dass diese Gespräche auch in Bereiche vordringen, die weh tun, aber vor allem, dass sie das tun, ohne belehrend zu sein. Dabei vermisst man in den Gesprächen nichts von der Kraft, die Roth zeitlebens ausgestrahlt hat, nichts von seiner Überzeugung als Demokrat und Europäer. Es ist, nun, da seine Stimme verklungen ist, ein noch wichtigeres Buch, ein Vermächtnis und eine Aufforderung an uns alle. Zum Lesen, aber auch zum Diskutieren.

Titel: Widerrede!

Autor: Martin Roth

Verlag: Verlag der Evangelischen Gesellschaft

Seitenzahl: 96

Preis: 9,95 Euro