Kann passieren, dass man krank wird. Kann sogar ein seltsam schönes Gefühl sein, sich dem Fieber zu ergeben und alle  Pflichten wegzuschieben. Vielleicht gibt es überhaupt nur drei Zustände, in denen wir wahrhaft leben: Kindheit, Fieber und Traum. Für einen Tag und eine Nacht schwebte ich zwischen Fieber und Traum.

Dann wurde auch Lena krank. Wenn beide Eltern flachliegen, bringt das ein kleines Familienunternehmen an den Rand seiner Möglichkeiten. Abwechselnd rafften wir uns auf, Felicitas zu versorgen und so gut es ging zu unterhalten. Das Fernsehen war eine Hilfe.

Ich peilte die Gefriertruhenlage: zwei Flammkuchen und eine Box mit Stracciatella-Eis. Immerhin. Der Kühlschrank? Milch bis morgen. Ein paar Joghurts, abgelaufen; ein Rest Käse. Toastbrot. Lena meinte: "Mit Medikamenten dauert eine Grippe 14 Tage, ohne Medikamente zwei Wochen."

"Zwei Wochen kann ich mir nicht leisten", sagte ich. "Außerdem haben wir nur Kinderzäpfchen und Hustensaft im Haus."

"Meine Eltern", erzählte Lena aus den Tiefen der Deckenlandschaft, die sie gegen Schüttelfrost schützte, "griffen in solchen Situationen zu Grog und klaren Schnäpsen."

"Und?", fragte ich, "dauerte das dann auch 14 Tage?"

"Weiß ich nicht mehr. Aber alt geworden sind sie nicht."

Ich raffte mich auf. "Jemand muss den Mülleimer rausstellen", sagte ich.

"Ja, bitte, Schatz", sagte Lena.

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