"Die Christophers machen sich aus dem Staub", berichtete Lena beim Essen.

"Was?", rief ich.

"Ja", nickte sie. "Nach Australien. Sie wollen im Barossa Valley Wein anbauen."

Ich hatte, muss ich zugeben, keine Ahnung vom Barossa Valley und wo das zu finden war. Aber ich zweifelte auch, dass Roger Christopher, bis vor Kurzem Pächter einer Billigtankstelle, Ahnung von Wein hatte. Vielleicht ja seine Frau ..."

Lena wusste mehr. "Das liegt in Südaustralien. Tolle Gegend. Übrigens suchen viele Leute gerade den Notausgang. Mark Zuckerberg hat sich ein Anwesen auf Hawaii zugelegt. Peter Thiel, das ist sein Großktionär, investiert in Neuseeland. Das halbe Silicon Valley baut sich Fluchtburgen."

"Entschuldige bitte, Lena, was haben die mit Roger Christopher zu tun, und wieso macht er sich 'aus dem Staub?'"

"Wegen der Lage", entgegnete Lena im Tone eiserner Gewissheit. "Wegen den Hackern, die uns ruck, zuck ausknipsen können, wegen Putin, wegen den Unwettern und Erdbeben. Alle fürchten, das Ende sei nahe."

'Alle?', dachte ich. Das war mir neu. Mir war schon die Aufregung um die Maya-Apokalypse unverständlich geblieben.

"Wo könnten wir denn hin?", fragte Lena nun.

Ich zuckte mit den Schultern. "Aber ein Motorrad wäre nicht schlecht", sagte ich. "Dann kämen wir im Falle eines Falles schneller durch den Stau."

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