"Kommst du eigentlich klar, Schatz?", fragte Lena und blickte mich über ihre Illustrierte hinweg an.
"Geht so", gab ich zu.
"Wo hakt es denn?"
"Manchmal komme ich mir wie ein dummer Junge vor."
"Ach ja?"
"Kürzlich, nach dem Konzert in der Philharmonie, wurde eine Flasche Champagner geordert. Ich habe den Korken knallen lassen, und man hat mich ausgelacht. 'Der Champagner muss klingen', belehrte mich eine der Damen, 'wie das Seufzen einer befriedigten Frau.'"
"Soso, das sagte die Dame!"
Mein neuer Job im Hotel passte Lena nicht. Ich arbeitete bis spät in die Nacht. Die Betreuung unserer Tochter war zu einem Problem geworden. Die Existenz weiblicher Hotelgäste erfüllte Lena mit Unbehagen.
"Ein Gast bestand darauf", klagte ich, "dass ich ihm Madeleines besorge. Morgens früh! Ich stand dumm da. Bis sich herausstellte, dass er bestimmte Plätzchen meinte, die Madeleines heißen."
Nun war es an Lena, über mich zu lachen.
"Wenn du Proust gelesen hättest, wüsstest du's", sagte sie.
"Wen?"
"Du musst unbedingt bluffen lernen", stellte sie fest.
"Ich kann nicht bluffen!"
"Ich weiß, Liebling, ich werde es dir beibringen. Bluff ist die halbe Miete, in jedem Job. Ich mache aus dir den perfekten Hotelmanager."
"Du bluffst!"
"Wir werden sehen", sagte sie und las weiter.

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