"Armut ist ein schlimmer Gast", sagte Lena mit dieser Härte in der Stimme, die keinen Widerspruch zuließ.
"Armut macht frei", hielt ich dagegen.
"Dann wünsche ich dir viel Spaß mit deiner Freiheit", grollte sie.
Dies war, wieder einmal, ein Beispiel für eine Debatte, die sich mit jedem Wort weiter von ihrem ursprünglichen Gegenstand
entfernte.

Willst du etwa auch an Elseline sparen?
Eigentlich hatte ich überhaupt nicht von Armut gesprochen. Mein kleiner Einwand zu einem nicht ganz unüppigen Abendbrot (Baguette, Parmaschinken, diverse Salami, Käse aus Holland, Irland und ein normannischer Camembert) lautete schlicht: "Wenn wir uns ein bisschen einschränken in diesen ungewissen Zeiten, meinst du nicht, dass wir auf die Dauer besser zurechtkommen?"
Das auch nur vor dem Hintergrund, dass ich mich schon auf halbem Weg zum Arbeitsamt befand und Lena noch mit sich kämpfte, ob sie im Herbst ganz oder doch nur halb in ihren alten Job zurückkehren sollte.
"Klar, ein bisschen was von einem Mönch hast du schon immer gehabt", war ihr erster Einwand. "Beim Weintrinken wirkst du wie einer dieser kleinen rundbäuchigen Fastenkönige."
"Lena", sagte ich, "es lässt sich an allen Ecken und Enden sparen!"
 
"Willst du etwa auch an Elseline sparen?", fragte sie scharf.
Und so landeten wir, ein Wort ergab das andere, bei bitterster Armut und ehelichem Zwist. Lena sah mich an und hob ihr vollschlankes Glas Rotwein: "Stoß mit mir an, Döskopp, ich will leben!"