Ein Spaziergang durchs bunte Herbstlaub, Elseline hüpfte in unserer Mitte, alles eitel Sonnenschein. Wenn nur die Eigenarten des Hotelbetriebes nicht wie November auf mir lasteten ...
"Gestern hat mich ein Spanier angeraunzt: 'Warum sagen Sie Sherry, junger Mann? Sind Sie Engländer?' Als ich das verneinte: 'Dann sagen sie bitte Jerez. Alle Welt, außer der englischsprachigen, kann das aussprechen.'"
"O je", meinte Lena, "du bekommst es aber auch mit Korinthenkackern zu tun! Dabei machst du gute Fortschritte ..."
"Nicht genug", klagte ich.
"Okay, ich frag dich ab", schlug sie vor. "Idealer Aperitif?"
"Whisky", antwortete ich, "gern mit Wasser, nie mit Eis oder Soda."
"Gut! Und nach dem Essen?"
"Armagnac oder Cognac."
"Armagnac ist ...?"
"Authentischer als Cognac."

"Super! Kommt die Rede auf gewisse Präsidenten, weichst du wie aus?"
"Ich sage: Bluff gehört zur Politik."
"Nicht schlecht. Jetzt bitte die Version fürs gebildete Publikum ..."
"Da sage ich: Die ersten römischen Kaiser nach Augustus waren alle verrückt, trotzdem überdauerte das Reich Jahrhunderte."
"Perfekt!", lobte Lena. "Die Kaiser hießen?"
"Tiberius, Caligula, Claudius und Nero."
"Ach, Liebling", jubelte Lena, "wenn du so weitermachst, wird man deine Weisheit bewundern und deinen Rat suchen!"
"Aber ich weiß nichts!"
"Papperlapapp", konterte Lena, "das rechte Wort zur rechten Zeit wiegt mehr als alle Bildung."

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