Die Tagliata beim Italiener war zum Küssen zart, die Weißwein-Sahnesoße passte perfekt. Nur die faden Zwiebeln irritierten mich sowie die Katze des Hauses, die um unseren Tisch strich und ausgerechnet auf den Stuhl neben mir sprang. Ich fühlte mich beobachtet.

"Sie mag dich", freute sich Lena. Und zu Felicitas sagte sie: "Guck mal, Papa hat eine neue Freundin."

"Unsinn", blaffte ich, "Katzen denken immer nur ans Fressen. Beziehungstechnisch sind sie eine Katastrophe."

"Aber das stimmt doch gar nicht!", protestierte Lena. "Katzen sind was Wunderbares!"

Vom Kinderstuhl versuchte unsere Tochter nach der getigerten kleinen Katze zu haschen, doch die verfolgte nur penetrant jeden meiner Bissen.

Lena war in Katzen vernarrt. Früher oder später würden wir neben dem verfressenen Kater Ramses noch eine Katze in der Wohnung haben, fürchtete ich.

"Katzen sind Egoisten", beharrte ich.

"Du hast ja keine Ahnung!", entgegnete sie.

"Sie können nachts unterm Fenster ein Riesen-Remmidemmi veranstalten."

"Stimmt, Katzen sind hemmungslos", gab Lena mit versonnenem Blick zu, "und sie sind unersättlich in der Liebe."

Was sollte das jetzt heißen? Ich stocherte in meinem Essen und winkte den Kellner heran. Er ahnte wohl schon, dass mich die Katze störte.

Ich sagte: "Ich fürchte, mit Ihren Zwiebeln stimmt was nicht."

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