Im Freibad. Endlich konnte ich Felicitas aus dem Babybecken lotsen, das ihr, so piefig es war, unendlichen Spaß bereitete. Auf unserer Decke am Rande der Liegewiese hatte Lena Pfirsichstücke und Gurkensandwiches vorbereitet. Ich wollte gerade von den Abenteuern unserer Tochter erzählen, da machte Lena die rätselhafte Bemerkung: "Schönheit ist eine Macht."

Wie bitte? Ich sah mich um. Die Zeiten waren gut und üppig und der Schönheit abträglich.

Es schwabbelte und quoll, es spannte und hing. Und Tattoos auf aller Haut ...

"Meine neue Kollegin", klagte Lena, "verfügt in solchem Maße über Schönheitskompetenz, dass sie allen den Kopf verdreht. Sie wird Karriere machen."

Daher wehte also der Wind!

"Ich kenne wohl Wissenskompetenz", zweifelte ich, "aber Schönheitskompetenz?"

"Sie ist schneewittchenglatt wie Ivanka Trump", sagte Lena, "und rücksichtslos."

"Das ist noch kein Verbrechen."

"Doch! Sie schwebt durch unsere Abteilung und flutet sie mit Unsinn. Abwechselnd gibt sie die gute Kollegin oder geht über Wasser. Und nervt mit ihren albernen Uni-Weisheiten."

"Warum lasst ihr euch das gefallen?"

"Weil sie umwerfend aussieht. Niemand widerspricht. Schönheit ist eine Macht, sage ich doch!"

"Du klangst schon mal feministischer, Schatz."

"Feministisch?" Lena winkte ab. "Ich rede von Realitäten."

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