Seine Frau mit jemandem zu teilen ist wirklich kein Spaß. Ich kenne Männer, die ihre Frau mit Freaks wie Mark Forster oder Florian Silbereisen teilen müssen. Dass sie an sich selbst zu zweifeln beginnen, kann ich verstehen.
Ich teile Lena mit Roger Federer. Bin ich deshalb besser dran als die anderen?
Als Federer kürzlich die Australian Open gewann, saß Lena zu nachtschlafender Stunde vor der Glotze, hatte sich ein rotes Federer-Stirnband ins Haar geknotet und war nicht mehr ansprechbar. Ich wollte gute Miene machen, kochte Kaffee und offerierte eine Rosinenschnecke vom Vortag.
Lena lehnte ab. Genussmittel während  des Matches seien ein schlechtes Omen, murmelte sie und wischte mich mit einer Handbewegung aus dem Sichtfeld.
Ich betrachtete sie von der Seite. Von dem Stirnband abgesehen trug sie Tennisschuhe, Tennissocken und ihr Nachthemd. Ob ich ein Foto machen sollte?
Mein Onkel erzählte mal, wie er seine Frau zu Tom-Jones-Konzerten begleitete, wo sie sich regelmäßig ihres BHs entledigte, um ihn auf die Bühne zu werfen. Mein Onkel fand das angeblich großartig, gehalten hat die Ehe aber nicht.
Am Ende der Nacht hatte Federer seinen vielen Turniersiegen einen weiteren hinzugefügt und seinen vielen Millionen ein paar mehr. Lena nahm mich in den Arm. Sie war glücklich.

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