"Sieh doch nur, ein Eichhörnchen!" Lenas Stimme in höchsten Tönen.

"Wo denn?", fragte ich.

"Dort auf dem Baum! Guck mal, wie’s guckt! Liebling, schnell, streu ihm was zu fressen hin ..."

Die Suggestivkraft solcher Vorschläge ist enorm. Tatsächlich fahndeten meine Gedanken fieberhaft nach eichhorntauglicher Nahrung. Endlich fiel mir ein: "Warum sollen wir überhaupt füttern?"

"Weil’s Hunger hat", stellte Lena nüchtern fest. Sie hatte jetzt Felicitas auf dem Arm, um sie an dem Wunder in unserem Garten teilhaben zu lassen. "Außerdem könnte es sich an uns gewöhnen und bleiben."

"Alles klar, Lena", sagte ich, "unser Kater wird sich freuen."

Ramses und seine Kumpanin, eine verwilderte Hauskatze, waren in der Gegend berüchtigt. Die meisten Bäume waren taubenfrei, selbst Mutter Sperber hatte ihr Nest aufgegeben.

"Machen Katzen Jagd auf Eichhörnchen?", fragte Lena zweifelnd.

"Davon darfst du ausgehen."

Aber so richtig interessierten sie meine Worte nicht. "Wo ist bloß sein Partner?", rief sie. "Eichhörnchen leben doch nicht allein."

Das Tierchen rückte in plötzlichen Bewegungsschüben näher an Lena und die schier ausflippende Felicitas heran.

"Doch, doch", sagte ich, "Eichhörnchen sind in der glücklichen Lage, allein zu leben."

"Woher willst du das wissen?", protestierte Lena.

"Ich weiß es halt!"

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