Die Eifersucht des Partners – dem Schuldigen ist sie enorm lästig, dem Unschuldigen erscheint sie unverständlich. Ich war unschuldig. Aber mein Job im Hotel brachte zuweilen ungeregelte Arbeitszeit mit sich, was Lena mächtig gegen den Strich ging. Auf die Nachricht hin, dass ich noch im Stau festsäße und unbestimmt später käme, verlor sie jede Contenance.

"Bleib doch gleich da, wenn du dich da so wohlfühlst", fauchte sie mich per Whatsapp an. Da freut man sich auf Zuhause. Eifersucht ist die kleine Schwester der Liebe, hässlich und hartnäckig.

An jenem Abend, wir lagen eisern schweigend im Bett, versuchte ich, das Thema mit einem müden Scherz in ruhige Bahnen zu lenken. "Vielleicht", sagte ich, "wäre Polyamorie eine Kur für dich. Frauen, die mehrere Männer lieben, sollen frei von Eifersucht sein und sagenhaft emanzipiert."

"Haha", machte Lena.

"Du meinst, das hilft nicht?"

"Freie Liebe ist was für Feige", sagte sie.

"Und monogam sind nur die Tapferen?"

"Spotte nur", sagte sie und richtete sich auf, "aber ich hasse doofe Männerfantasien, die sich als Frauenwunsch ausgeben. Wahre Liebe ist unteilbar und kein Multiple-Choice-Verfahren. Sollte ich dich einmal beim Fremdgehen erwischen, mein Lieber, dann gnade dir Gott! Mit Eifersucht hat das übrigens nicht das Geringste zu tun."

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