Frauen haben so eine Art, Grundsatzdebatten vom Zaun zu brechen. Was mir an unserer Ehe am meisten missfiele, wollte Lena beim Wein von mir wissen. Meine Güte, eben hatten wir angestoßen und uns tief in die Augen geschaut, und jetzt das!

"Lass mich allgemein antworten", sagte ich in der Hoffnung, das Schlimmste zu vermeiden, "ich verachte Frauen, die in grässliche Kaufhäuser pilgern und auf Auslagen starren."

Lena reagierte scheinbar gelassen.

"Ich verachte Männer", konterte sie, "die stundenlang Fußball im Fernsehen gucken und dabei unartikulierte Laute ausstoßen."

Hm. Dieses Spiel war nicht meine Erfindung, aber ich hatte das Gefühl, dass der Ball jetzt auf meiner Seite lag.

"Fußballspiele", sagte ich, "gehen folgenlos vorüber. Deine Einkaufstouren kosten jede Menge Geld. Wie oft schleppst du mir Sachen heran, die ich nicht gebrauchen kann!"

"Nie wieder bringe ich dir etwas mit", beschloss sie düster. "Dabei hatte ich vor, dir für deinen neuen Job als Hotelportier eine schöne Krawatte zu kaufen."

"Ich bin im Eventbereich tätig, nicht am Empfang", korrigierte ich.

"Kommt das gleich über dem Direktor?", spottete sie.

"Wir wollen unseren Gästen etwas bieten", sagte ich kühl.

"Dann darfst du bestimmt ältere Damen beim Shoppen begleiten und ihnen die Einkaufstüten aufs Zimmer tragen. Glückwunsch, mein Schatz. Vielleicht sehen wir uns in der Stadt."

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