Meer, Sonne, Wind, nein, uns war nicht danach. In diesem Sommer blieben wir zu Hause. Wenn einem nicht danach ist, hat das gewöhnlich Gründe, einer davon heißt Geld. Wir hatten keins.
Während Lena ihren Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereitete, und ich mich auf meinen erzwungenen Ausstieg gefasst machte, verbrachten wir eine ungewohnt harmonische Woche.
Wird Zeit, dass Mama wieder arbeiten geht
Ich befand mich in einem Schwebezustand zwischen Verzweiflung und Glück; als ob solche Gefühle vom selben Holz wären.
Als ich das Lena gegenüber erwähnte, sagte sie, die gut Französisch sprach, kennerhaft: "Klarer Fall: Dépaysement."
"Das heißt?"
"Das ist eine Form von Entwurzelung, die durchaus positiv sein kann. Sie befreit, zum Beispiel von lästigen Pflichten."
Felicitas, unsere Tochter, hielt mir ein undefinierbares Holzgestell entgegen, von dem sie sich nicht mehr trennte, seit sie es auf dem Spielplatz gefunden hatte.
Sie sagte: "Aipu."
"Genau", bestätigte Lena, "du könntest auch unter 'Kaukokaipuu' leiden. Das ist Finnisch und meint die Sehnsucht nach einem Ort, den du gar nicht kennst."
"Ich kenne viele Orte, die ich gar nicht kenne", sagte ich und gab Felicitas einen fetten Kuss.
"Tatsächlich", fuhr Lena lächelnd fort, "ist das oft mit ‚Basorexia‘ verbunden, dem unstillbaren Bedürfnis zu küssen."
Felicitas und ich, wir strahlten uns an.
"Höchste Zeit, dass Mama wieder arbeiten geht", sagte ich. Felicitas lachte sich kaputt. Noch.