Lena lag auf dem Sofa, gefangen in der Spannung eines Kriminalromans. Da fuhr sie, wie unter einem Elektro-Schock, plötzlich hoch und rief: "Ich wusste es! Ich wusste, dass er der Mörder ist!"
"Schön für dich", dachte ich. "Nur schade, dass der Krimi noch nicht zu Ende ist." Seit geraumer Zeit tigerte ich mit Elseline auf dem Arm hin und her und wartete mit zunehmender Ungeduld, dass das Kind endlich einschlief.
Zu den Mythen des Alltags gehört, dass lange Winterabende zu zweit irre gemütlich sind. Fanatische Krimileserinnen sind dabei nicht einkalkuliert.
"Ah!", machte es auf dem Sofa, sodass selbst Elseline leicht aufmerkte. "Der also war’s! Ich wusste es!" Lenas Krimi schien eine Wendung genommen zu haben.
Ich überlegte, ob ich eine Pizza in den Herd schieben und eine Flasche Wein aufmachen sollte; andererseits waren mir die Hände gebunden.
Mir kam der Gedanke, selbst einen Krimi zu schreiben. Einen, der so nervenzerfetzend spannend war, dass er Lena fertigmachte und ihr das Kriminalromanlesen ein für allemal vergällte ...
Elseline schlief an meiner Schulter ein.
Endlich.
Lena klappte das Buch zu. Endlich.
"Ach, war das schön", seufzte sie. "Schade, dass es zu Ende ist. Danke, Schatz, dass du so geduldig warst. Jetzt mache ich uns was zu essen."

Die prisma-Kolumne "Tisch für zwei" gibt es jetzt auch als Buch. Hier können Sie Ihr Exemplar bestellen.