"Ich kam mir vor wie Tante Marie-Luise, die den Anschluss verloren hat", klagte Lena.

Sie war mit ihren Kollegen aus gewesen. Eine Betriebsfeier.

"Ich habe mich echt bemüht, so was wie Konversation zustande zu bringen", erzählte sie, "aber keiner hört mehr richtig zu. Kaum hatten wir das Essen bestellt, zückten alle ihre Handys. Dann ging es um Apps und Akkuleistungen und Videos. Witze erzählen war gestern, heute wird nur noch über Videos gelacht."

"Andererseits", wandte ich ein, "hast du kürzlich selbst gesagt, dass dir so eine Spracherkennungs-Software ..."

"'Alexa'!"

"... dass dir 'Alexa' im Haushalt nützlich sein könnte."

"Das ist doch ganz was anderes, Schatz! Du weißt, ich vergesse immer was, Arzttermine von Felicitas, Belege fürs Finanzamt. 'Alexa' würde mich gnadenlos erinnern."

"Ich stelle mir nur vor", überlegte ich, "unsere Tochter befiehlt so einem Wesen, mit ihr zu spielen."

"Ach, du hast keine Ahnung", lachte Lena.

"Wieso? Die Entwicklung rast. In 20 Jahren", fantasierte ich, "eröffnet uns Felicitas, dass sie sich in einen Roboter verliebt hat und ihn heiraten möchte."

Lena guckte fassungslos.

"Und wenn ich Einwände erhebe, wird sie sagen: 'Joshua ist eine kybernetische Person mit denselben Rechten wie du und ich. Ich werde ihn heiraten, basta!'"

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