Langeweile hat neuerdings einen guten Ruf. Bücher und Illustrierte raten in stürmischer Zeit zu den Wonnen des Abschaltens und Nichtstuns. Seit ich kaum noch Zeit für mich habe, registriere ich das mit Interesse und erinnere mich an Kindheitstage, an denen wir stundenlang am Kanalufer saßen und die Beine baumeln ließen.
Da Lena im Gegensatz zu mir einen mäßig spannenden Büro-Alltag zu bewältigen hat, liegt ihr Interesse eher im Aufdrehen als im Ausruhen. Nur so ist es zu erklären, dass wir der Einladung des "Schönen Bobby" zur Party seines 40. folgten. Bobbys Spitzname geht auf die Zeit zurück, als er noch Haare auf dem Kopf hatte. Jetzt trumpfte er mit mindestens 200 Gästen bei seinem Lieblingsitaliener auf. Wir kannten niemanden und wurden nicht erkannt. Lena fühlte sich verloren.
"Was machen wir hier?", fragte sie.
"Das musst du doch wissen", erwiderte ich.
Endlich hatten wir uns zum Geburtstagskind vorgekämpft. Bobby freute sich wahnsinnig, dass wir kommen konnten, und verwies uns gleich mit großer Geste in Richtung Buffet. Mir war der Appetit vergangen.

"Lass uns hier verschwinden!", schlug ich vor.
"Aber der Babysitter bleibt bis Mitternacht", wandte Lena ein.
"Macht nichts, wir machen was Langweiliges und gehen am Kanal spazieren."
Lena strahlte. Arm in Arm verließen wir das Lokal.

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