Wenn Starobinskis zu Besuch kamen, wehte ein Hauch große Welt durch unsere Räume. Sogar Elseline wurde davon erfasst und entdeckte den kleinen Engel in sich. Sie konnte auch anders.
Beim Essen erzählte "Madame", wie ich sie im Stillen nannte, obwohl sie eine treudeutsche Kollegin von Lena war, vom Sommerempfang beim französischen Botschafter.
Beethoven, fast schon taub, legte sich ins Zeug
Schrecklich peinlich! Sie hatte sich wohl wie zur Pool-Party zurechtgemacht und demonstrierte der fachkundig mitleidenden Lena die Blöße ihrer Bauchfreiheit und die Kürze ihres Rocks.
"Dabei war in der Einladung nach den vielen Anschlägen von ‚gedeckter Kleidung‘ die Rede gewesen, nicht wahr, Chérie?"
Monsieur Starobinski, der Herr Professor aus Paris, nickte versonnen und meinte mir zugewandt: "Wer nicht mehr irrt, der lasse sich begraben."
Alle lächelten beipflichtend, schon weil niemand wusste, woher er seine tröstliche Weisheit bezog. Alsdann hob er zu einer Anekdote an.
"Beethoven spielte im Winter 1815 im Haus der Gräfin von Apponyi in Wien auf. Es war kalt, der Salon war überheizt, infolgedessen das Klavier völlig verstimmt. Beethoven, fast schon taub, legte sich ins Zeug. Erst als er endete und aufblickte, sah er an den Gesichtern, dass jeder Ton falsch gewesen war."
Madame und Lena sperrten entsetzt die Mündchen auf. Ich musste daran denken, dass ich mal, lange her, vor ca. 100 Zuschauern einen Elfmeter versemmelt hatte. Sollte ich das jetzt erzählen?