Vielleicht ist es wirklich so, wie man sagt: Die Ehe lebt von Unstimmigkeiten. Lena kam so gut mit mir aus, weil sie ab und zu unzufrieden sein durfte. Das machte sie zur Chefin im Haushalt.
Als sie zum ersten Mal wieder zeitig morgens loszog, um nach allzu kurzer Babypause ihrem Beruf nachzugehen, stand ich mit Elseline auf dem Arm im Türrahmen. Wir winkten, Lena winkte zurück.

Aye, aye, Käpten, sagte ich, als sie nachhakte
Würde sich jetzt alles umkehren? Meine frisch gewonnene häusliche Gewalt genoss ich zunächst mit ausgedehntem Zeitunglesen, wobei ich Elseline den Wirtschaftsteil zum Zerfleddern überließ. Es war urgemütlich. Unser Kater hatte sich auf meinem Schoß niedergelassen und philosophierte in den Tag.
Da rief Lena an. Sie erinnerte an das Problem mit dem Duschkopf, an das Bewerbungsschreiben, das ich abschicken müsse, und die Einkaufsliste. Ich sagte "okay" und "aye, aye, Käpten", als sie noch mal nachhakte.
Danach ging ich mit Elseline auf den Spielplatz. Zartblättrige Bäume filterten das Sonnenlicht, die Mütter auf den Bänken lächelten mir zu, ich tauchte in ihre klugen Alltagsgewissheiten wie in einen schimmernden See.
Als wir später einkaufen gingen, nickte Elseline schon weg. Für sie war der Tag perfekt! Wieder zu Hause musste ich feststellen,
dass Lena nicht nur schon zurück war, sondern auch lärmend staubsaugte. Der alte Duschkopf lag auf dem Tisch, ein Bild stillen Ingrimms.
 
"Hallo Schatz", rief ich, "wie war dein erster Tag?"