Wie das Paar heißt, mit dem wir beim Griechen aßen – sehr lecker, aber zu mächtig –, tut nichts zur Sache. Doch fiel mir zweierlei auf: Nach kurzer Zeit hatten sich die Frauen in ein eigenes Thema separiert, wir Männer floskelten spröde allein weiter.

Da hörte ich aus Lenas Mund die Bemerkung: "Männer kleben ja oft recht hilflos an ihren Frauen." Und verständnisinnig nickten sich die Damen zu.

Ich konnte mir nicht helfen und warf gleichsam gesprächsübergreifend ein: "Wehe, wenn Männer zu wenig kleben, dann geratet ihr Frauen doch in Panik!"

Worauf die Mädels giggelten wie über einen Dummejungenscherz. Vielleicht täusche ich mich, aber mir scheint, dass Männer durchaus ihre früheren Positionen angemaßter Dominanz räumen, während Frauen umso verbissener Spukschlösser erobern. Jüngst rieb mir Lena eine US-Studie unter die Nase, wonach Frauen die besseren Ärzte seien.

"Ich gehe nur noch zu Frauenärztinnen", versprach ich.

"Entscheidend ist", erwiderte sie mit unantastbarem Ernst, "dass Frauen sich besser in Patienten hineinversetzen können. Außerdem halten sich Ärztinnen stärker an medizinische Richtlinien."

Ich musste an unser Essen beim Griechen denken: viel zu viel und alle Richtlinien der Mäßigung überschreitend. Aber geschmeckt hatte es wie die Sünde selbst!

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