Wenn zu Hause die Fetzen fliegen und im Job vor allem Frauen das Sagen haben, kann ein Mann schon mal ins Grübeln geraten.
"Wir sollten mehr Streitkultur pflegen", schlug ich vor, nachdem ich unsere Tochter mit dem Märchen von der klugen Else in den Schlaf gelesen hatte.
"Ganz meiner Meinung", stimmte Lena zu.
 
"Ich weiß nicht, ob du meinst, was ich meine", sagte ich.
"Was meinst du denn, Liebling?"
"Ich meine, wir Männer können uns heute auf den Kopf stellen und mit den Füßen hurra schreien – wir sind immer im Unrecht. Der Feminismus manövriert euch Frauen in eine Position, die euch über männliche Kritik erhaben macht. Wenn wir Männer den Mund aufmachen, fühlen sich Frauen sofort als Opfer, egal, worum es geht, egal, wie’s gesagt wird. So kann man nicht vernünftig miteinander umgehen."
Lena lachte laut heraus.
"Als Maskulistin", sagte sie, "könnte ich dir ja zustimmen. Als Feministin aber sage ich dir: Du hast sie nicht mehr alle!"
"Und ich als Feminist sage dir, dass sich Frauen früher oder später nach maskulinen Typen sehnen werden, die nicht jedes Wort auf seine Verträglichkeit abschmecken."
"Tu mir einen Gefallen, Liebling, red solchen Stuss nicht bei deiner Arbeit! Man könnte dich glatt für einen Trumpisten halten."
"Siehst du", sagte ich, "genau das meine ich."

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