Es gibt schlechtere Gefühlslagen, als spätabends von der Arbeit zu kommen und eine gute Nachricht in der Tasche zu haben. Jetzt musste ich noch den richtigen Moment finden ...

Lena, nichts ahnend, empfing mich mit inniger Umarmung. Felicitas, sagte sie, habe noch lange auf mich gewartet, sei
aber inzwischen eingeschlafen.

Wir setzten uns. Lena war in sprudelnder Stimmung. Sie erzählte von Studien zum Thema Lebenserwartung, mit denen sich
ihr EU-Departement beschäftigte.

"Eine britische Studie (aha, noch gehörten sie dazu!) hat die Daten nervenkranker Menschen ausgewertet und festgestellt: Die werden fast alle steinalt."

Ich nickte freundlich und wartete auf eine Gelegenheit für meine bahnbrechende Neuigkeit.

"Gleichzeitig", fuhr Lena fort, "kam eine italienische Studie auf den Markt, die reichlich Kaffeegenuss empfiehlt: Sechs Espressos am Tag verlängern dein Leben um Jahre!"

Auch das leuchtete mir beiläufig ein, derweil ich stumm auf meiner Botschaft kaute: Mir war heute eine lukrative Versetzung in ein Hotel in Süddeutschland angeboten worden, mit toller Wohnung und Dienstwagen; verbunden natürlich mit einem Umzug, das war der Knackpunkt.

"In Kalifornien", verkündete Lena, "haben sie ein Elixier erprobt. Man hat alten Mäusen das Blut von 18-jährigen Menschen injiziert, und prompt huschen die Mäuse wieder wie Teenies durchs Stroh."

"Klingt gruselig", wandte ich ein.

"Will Kalifornien denn der EU beitreten?"

"Bitte, ich muss das lesen und auswerten."

"Damit wir alle älter werden?"

"Mach dich nur lustig!", meinte sie.

"Liebling, ich möchte uralt werden mit dir. Mit Goldener Hochzeit und allem. Meinst du, das kriegen wir hin?"

Ich blies die Backen auf. Keine Ahnung. Ich erinnerte mich an einen Hotelgast aus Monaco, der mir, während ich ihm eine Flugverbindung ausklamüserte, anvertraute, in Monaco habe man eine Lebenserwartung von 89,5 Jahren – Spitzenwert in Europa.

"Das wird am günstigen Klima liegen", hatte ich vermutet.

"Nein, junger Mann, das liegt an den Steuern", erklärte er. "Sehen Sie, zwei Dinge im Leben sind unumgänglich, der Tod und die Steuer. Wenn Sie, wie wir in Monaco, die Steuer auf ein Mindestmaß reduzieren, dann haben Sie dem Tod was zum Grübeln gegeben."

Nun gut, das erzählte ich jetzt nicht. Ich wollte endlich meine Sensation loswerden. Doch Lena setzte sich mir auf den Schoß: "Liebling, ich muss dir was sagen."

Ich seufzte nur.

"Liebling", sagte sie, "wir bekommen wieder ein Baby."