Kann es einen Grund geben, der Liebe jegliche Romantik abzusprechen? Na klar: den Weihnachtsbaum! Das kam so: Neujahr, Dreikönigstag und Baumabfuhr waren vorbei, unser Baum aber leuchtete fort. "Ist das nicht romantisch, Schatz!", seufzte Lena.

"Was ist daran romantisch?", knurrte ich.

"Romantik ist Illustriertengewäsch. Selbst die Liebe ist nicht romantisch, höchstens zweckdienlich."

"Red nicht! Gäbe es keine Romantik, wären wir beide kein Paar."

"Wir sind ein Paar, weil die Biologie es so will. Botenstoffe, Hormone, die Vorliebe für bestimmte Körperformen – das sind evolutionäre Anpassungen zum Zweck der Fortpflanzung."

"Weißt du eigentlich", meinte Lena unbeeindruckt, "dass es, rein statistisch, tausendmal Sex braucht, um ein Kind zu zeugen?"

"Na und?"

"Das bedeutet, mein Lieber, dass mit Sex auch anderes verbunden sein muss als Fortpflanzungstrieb. Liebe zum Beispiel, Erlebnisse, Romantik ..."

"Heute reicht ein Algorithmus", hielt ich dagegen. "Man impft ihm ein paar Daten ein, und alle elf Minuten verliebt sich ein Single."

"Wissenschaftler haben das widerlegt. Nach einem Jahr waren immer noch 98 Prozent der Leute allein."

Ich schwieg überrascht.

"Außerdem", fuhr sie fort, "erwarte ich zum Valentinstag einen Blumenstrauß. Auch das gehört zur Romantik!"

"Nur wenn bis dahin der Baum weg ist", erwiderte ich.

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