Lena war nicht begeistert. Die Hotelleitung hatte mich zu einem Überlebenstraining abkommandiert, überschrieben mit Survival and Team Building Weekend.
 
"Normalerweise ist das was für Führungskräfte", wunderte sich Lena.
"In diesem Fall geht's um Teamgeist", erklärte ich. Lena gefiel auch das nicht. Wenn ich erwartet hatte, es mit männerharten Entbehrungen in der Winterkälte zu tun zu bekommen, sah ich mich zunächst enttäuscht. Bei Kaffee und Kuchen hörten wir Kursteilnehmer Erbauliches aus dem Munde von samtpfotigen Motivationstrainern: "Sie, meine Herren, sind die Crème de la Crème der Dienstleistung, die Magier von Achtsamkeit und Empathie. Lassen Sie Träume wahr werden!"

Solche Sachen. Endlich ging's raus. Auch wenn der Magen noch nicht knurrte, sollten wir dem Wald überlebenswichtige Naturkost abtrotzen – "für den äußersten Notfall".
Wir arbeiteten in Dreierteams. Ich brachte Triebe von Birkenblättern und ein paar Schrumpfäpfel bei, das hätte unserem Team
beinahe den Sieg eingetragen. Letztlich gewannen die Sammler von Tannen- und Fichtennadeln (Vitamin C!).
Beim Angeln gab's ein Malheur. Das Eis hielt nicht, und ein Teilnehmer musste mit erfrierenden Zehen schleunigst trockengelegt werden.
Immerhin, wieder zu Hause hätte ich einiges zu erzählen gehabt. Doch Lena winkte ab. "Wie viele Frauen waren eigentlich dabei?", wollte sie wissen.

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