Betriebsfest in Lenas EU-Behörde. Wir entfernten uns vom lähmend heiteren Getriebe, gelangten an einen Stehtisch und in die Gesellschaft eines älteren Herrn. Lena stellte vor: Professor De Smaele.
 
Er erwies sich als interessanter Unterhalter und klärte uns staunende Zuhörer auf, dass sich das Tempo der Fortbewegung seit den Postkutschen eher verlangsamt habe.
"Tatsächlich?", bemerkte ich. Der Professor lächelte nachsichtig. "Die Postkutsche", erklärte er, "schaffte 15 km/h. Ihr Bordcomputer im Auto kommt auf eine Geschwindigkeit von vielleicht 50 km/h."
"Na bitte", sagte ich.
 
"Und das ist falsch!", trumpfte De Smaele auf. "Erstens sind die meisten Fahrten enervierend langsam, zweitens müssen Sie Ihre Arbeitszeit für den Erwerb des Autos, für Unterhalt, Sprit und Knöllchen hinzurechnen. Am Ende kommen Sie erwiesenermaßen auf 6 km/h. Die Postkutsche war flotter. In ökonomischer Hinsicht ist Autofahren der reine Wahn."
Alsdann begann der Professor, uns die Illusion eines Zeitgewinns durch Technik anhand von E-Mails zu beweisen ("Jede E-Mail ist so teuer wie ein normaler Brief."), und ich ahnte, dass es Zeit wurde, einen höflichen Abgang zu finden.
Später, als wir mit 150 Sachen über die Autobahn nach Hause jagten, legte Lena eine Hand auf meinen Schenkel und meinte: "In der Liebe wäre jede Beschleunigung ein Verlust, finde ich."

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