Sie waren ein schönes und erfolgreiches Paar. Wir kannten uns schon lange. Mitunter hatte Lena über ihr "geschmackloses Haus" gelästert (Neid äußert sich auch so) und über ihren Hang zu großen Autos. Jetzt standen sie in unserem Wohnzimmer und hatten mit sich selbst zu tun. Felicitas, die sich immer freut, wenn Gäste kommen, wurde kaum beachtet.

"Das geht ja schon gut los mit dir", fauchte sie, als ich ihm Prosecco einschenkte. Ihr Blick ruhte auf seinem Bauch.

Beim Essen lobte sie überschwänglich meinen  Rotwein (unter zehn Euro, aber das erwähnte ich nicht), woraufhin er die Warnung einstreute: "Nicht dass ich dich nach Hause tragen muss!"

Lena bemühte sich, die immer wieder aufkommenden Feindseligkeiten zwischen den beiden zu moderieren; ich verzog mich eine Weile, um Felicitas in den Schlaf zu singen.

Als ich zurückkam, war man beim Grappa, und er verriet: "Kürzlich ist ihr doch tatsächlich übel geworden!"

"Ach, das ist Kate Winslet auch passiert", wiegelte Lena ab. "Habt ihr den Film gesehen?"

"Er stellt mich immer wieder gerne bloß", erwähnte sie bitter.

Endlich stiegen unsere Gäste, nicht ohne Sticheleien, in ein Taxi und winkten.

Lena rückte eng an mich heran. "Niemals!", sagte sie. Ich verstand, was sie meinte.

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