"Glaubst du an Wiedergeburt?", fragte Lena, nachdem sie mich beim Schach vernichtet hatte. In der Art, wie sie das Glas Rotwein in der Hand hielt, lag ein Ausdruck ihres Triumphs.

"Du meinst, ob ich noch mal als besserer Schachspieler auf die Welt komme? Eher nicht", erwiderte ich.

"Nein, ich meine, ob du dir vorstellen kannst, in einer fernen Zeit zu leben, vielleicht mit einem Funken Erinnerung an dein jetziges Leben."

"Das mit der Erinnerung", überlegte ich, "funktioniert, glaube ich, nicht. Aber wenn, dann wäre ich gern ein Schmetterling."

Ich merkte sofort, dass das nicht in Lenas Sinn war. Sie dachte in schwärmerischen Dimensionen. Schmetterlinge mit ihren beiläufigen Begattungsritualen passten nicht ins Bild.

Ich versuchte es andersherum: "In einer fernen Zeit vor unserer Zeit warst du bestimmt ein wehrhaftes Dino-Weibchen mit Dino-Jungen an den Beinen."

"Hatten Dinos ein Liebesleben?" Lena blickte skeptisch.

"Klar! Die trieben es, dass der Erdball bebte. Das wurde ihnen ja auch zum Verhängnis."

"Du lenkst ab, Liebling. Stell dir vor, wir würden uns in der Zukunft als völlig Fremde wiedersehen, stell dir vor, wir würden uns gar nicht erkennen!"

"Undenkbar", sagte ich.

"Du meinst, wir könnten uns gar nicht verpassen?"

Ich nahm sie in den Arm.

Die prisma-Kolumne "Tisch für zwei" gibt es jetzt auch als Buch. Hier können Sie Ihr Exemplar bestellen.