In Erwartung freudigen Zuspruchs machte ich den Vorschlag, mit einer Radtour in den Sonntag zu starten. Doch Lena reagierte verhalten. Also legte ich mich werbend ins Zeug: Felicitas auf dem Kindersitz, Picknickkorb, Prosecco im Kühlfach, das sanfte Wogen der Felder ...

"Das ist doch letztlich schon in die Hose gegangen", wehrte Lena ab. Stimmt. Aber "letztlich", das war im April. Unberechenbarer Vorfrühling. Am Ende hatte sich eine Regenfront über uns ausgeschüttet. "Wir haben Traumwetter, Lena, seit Wochen schon."

"Sag lieber Albtraumwetter", nörgelte sie. Obwohl ich ahnte, was sie meinte, nämlich dass sich in jeder weiteren Hitzeperiode der Klimawandel offenbarte, hatte ich keine Lust, mir meinen einzigen freien Tag vermiesen zu lassen.

"Wenn die Sonne scheint", sagte ich, "sollten wir sie genießen! Hier zu sitzen und auf Regen zu warten, wäre ziemlich bizarr."

"Darum geht es nicht. Ich rege mich auf, dass alle so tun, als sei immerwährender Sonnenschein gut für uns. Die Leute sind blind vor Sonnenhunger. Regen ist so kostbar, er hält uns am Leben."

"Was schlägst du vor", fragte ich, "dass wir Regenmacher engagieren?"

"Pack schon ein", sagte sie, sich aufraffend, "wir fahren los. Aber nur unter der Bedingung, dass du mich heute Abend zum Essen ausführst."

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