Mitunter amüsierten wir uns über Paare, die vermittels Kennenlern-Plattform, also mithilfe von Mathematik, zueinander gefunden hatten. So erzählte ich, nichts Böses ahnend, von der Kollegin, die dieses Experiment nach vielen Ehejahren wiederholt hatte. Sie warf ihre Daten und die ihres Mannes noch einmal auf den Markt, als ob sie sich nicht kannten.
"Moment mal", fuhr Lena auf, "das hat sie dir erzählt? Wer ist sie?"
"Sie wollte darin ein Symbol für das Schicksalhafte ihrer Liebe sehen ..."
"Die Algorithmen aber", spottete Lena, "taten ihr den Gefallen nicht. Was sie dir natürlich brühwarm erzählen musste. Plumpe Anmache!"
"Tatsächlich erschien sie nie auf seiner Kandidatinnen-Liste und er nicht auf ihrer. Aus dem erhofften Symbol ist ein böses Omen geworden."
"Symbol, Symbol!", lachte Lena, "weißt du überhaupt, was das heißt?"
"Na ja ...", setzte ich an.
"In alter Zeit", übernahm Lena ungeduldig, "hatte der Mensch zwei Gesichter, vier Arme, vier Beine und beiderlei Geschlecht – bis ihn Zeus in einem Wutanfall halbierte. Seither suchen wir halben Menschenwesen uns zu symbolisieren, das heißt, wir wollen uns mit dem passenden Partner zusammenfügen, auf dass wir wieder komplett werden wie zu Anbeginn der Zeit ..."
"Woher weißt du das?"
"Hat mir ein charmanter Kollege im Büro erzählt."

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