"Entschuldigung", sagte ich und zückte mein Handy. Ich musste ran. Vielleicht warteten Nachrichten auf mich. Kathrin merkte auf. "Hab meins gerade stillgelegt", ließ sie mich wissen.

"Das Handy?", staunte ich.

Unvermutet war ich zum gastgebenden Unterhalter für Lenas neue beste Freundin geworden. Lena war mit unserer Tochter noch beim Arzt. Ich entkorkte eine Flasche Rotwein.

"Ja", sagte sie, "ich fühle mich wie befreit."

"Kann ich mir nicht leisten", entgegnete ich. "Ich arbeite im Hotel und muss erreichbar bleiben."

"So habe ich früher auch gedacht." Sie lächelte.

"Kathrin", sagte ich, "lass uns das Glas heben – ein Australier."

"Handys", sagte sie, das Glas in der Hand, doch ohne Blick für den Wein, "sind so schrecklich konventionell, absolut uncool. Jeder hat eins. Wer auf sich hält, hat keins oder zeigt es nicht."

"So weit bin ich leider noch nicht", gab ich zu. Wo blieb Lena? Warum dauerte das so lange?

Kathrin geriet in Fahrt und klärte mich über die Armseligkeit von Facebook und Likes auf: "Das ist was für Menschen, die sonst keine Liebe erfahren." Endlich ging die Tür auf. Felicitas stürmte herein, hinter ihr Lena. "Kathrin", rief Lena, "ich habe versucht, dich zu erreichen. Aber mit deinem Handy stimmt was nicht."

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