Wenn wir auf unseren Mountainbikes über die Hügel brettern, mein Freund Theo und ich, geschieht das nicht ohne jene Allesmesser am Handgelenk, die "Fitness-Tracker" genannt werden und unsere Selbstoptimierung entscheidend voranbringen. Lena hat mich dazu überredet. Sie schwört drauf.
Vor Rätseln und Rückschlägen bleibt man indes nicht gefeit. So weist Theos Gerät bei gleicher Fahrtroute regelmäßig mehr zurückgelegte Höhenmeter auf als meins. Wie ist das möglich?
Lena ist eine Tracking-Hörige, das Quantified Self in Person. Beim Joggen liest sie Puls, Blutdruck und Laufdistanz vom Handgelenk ab, dazu Windrichtung, Mauselöcher und wadenbeißende Hunde.
Nach jedem Joggen stellt sie sich auf die Waage, logo. Kürzlich aber waren die Daten, die von der Waage auf ihren Tracker übertragen werden, verschwunden – wie ausgelöscht.
"Sei doch froh", tröstete ich beim Frühstück, "endlich bist du völlig gewichts- und alterslos!" Sie war nicht froh.
In der Zeitung las ich, Krankenkassen spielten mit dem Gedanken, denjenigen zu belohnen, der viel Sport treibt. Dazu wollen sie die eigentlich doch persönlichen Daten auf den Fitness-Trackern anzapfen.
"Das wäre ein Geschäftsmodell", überlegte ich. "Wir trainieren mit den Trackern anderer Leute. Dafür beteiligen die uns an den Bonuszahlungen."
Lena nickte schwach. Ohne Daten fühlte sie sich leer.

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