Lena arbeitete an einer Expertise zum Thema "Sexuelle Belästigung". Vorbild USA. Dort auschen sich Frauen über das Hashtag #notokay aus, was noch als Flirt durchgeht – und wo männliche Flegelei beginnt.
"Folgendes Beispiel", stellte mich Lena auf die Probe. "Zwei Kollegen. Sie hatten einen schönen Abend. Im Auto vor ihrer Haustür, sie ist verheiratet, sagt sie: Danke, es habe ihr gefallen – da küsst er sie!"
"Nicht okay", urteilte ich.
Richtig. Prüfung bestanden. Aber es ging weiter.
"Sie hat ihm ein Selfie geschickt, einfach so, aus Übermut. Da kommen von seiner Seite Aufnahmen, die ihn völlig nackt zeigen."
 
"Eindeutig nicht okay", sagte ich empört.
"Er findet ihr Kleid, das sie in der Sitzung trägt, ziemlich sexy und sagt ihr das auch."
"Na ja", antwortete ich, eigener Komplimente eingedenk, "das darf man wohl sagen. Okay!"
"Er drängt sich im Fahrstuhl an sie. Sie watscht ihn daraufhin ab."
"Richtig so!", lobte ich. "Aber was ist mit den Frauen, die hemmungslos mit dem Chef flirten, weil sie sich was erhoffen? Und mit den Kolleginnen, deren Hand sich bei der Betriebsfeier auf seinen Hintern verirrt? Gibt’s da auch Regeln?"
"Hast du das schon mal erlebt?", fragte Lena scharf.
"Ich? Ach was. Nur mal so als Beispiel ..."

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