Nach vier Jahren und 136 Folgen verabschiedet sich "Circus Halligalli" endgültig von den Bildschirmen. Es wird ein würdiger Abgang mit vielen Rückblicken, und am Ende fließen sogar Tränen.

Die Pianoklänge der Filmmusik zu "The Imitation Game" eröffnen die letzte Folge von "Circus HalliGalli" auf Pro7. Dazu sprechen Joko und Klaas über ihre insgesamt acht gemeinsamen Jahre im deutschen Fernsehen. Kurze Szenenbilder von vielen schönen Aktionen, Projekten und Streichen des Moderatoren-Duos werden eingeblendet. 

Der Auftritt von Peer Steinbrück vor dem Kanzlerduell, die Verleihung des goldenen Umberto an Philipp Großkreutz, ein Blick auf die Besuche bei "Rock am Ring", das Schlagzeugspiel von Joko beim "30 Seconds to Mars"-Konzert oder ein Buddytag mit Olli Schulz im "Heide Park" – Bilder, die an die guten Zeiten der beiden Moderatoren erinnern.

Aber wie fing eigentlich alles an? 

Zwei Moderatoren begeistern auf MTV

2009. Zwei junge Männer, einer mit schulterlangem Haar, der andere mit modischer Kurzhaar-Frisur, gewinnen auf dem Musiksender MTV die Sympathien der jungen Zuschauer. Es sind Rubriken wie "Wenn ich Du wäre", freche kritische Töne zum aktuellen Tagesgeschehen und vor allem die überzeugend gespielte Rivalität untereinander, die die Zuschauer an "MTV Home" erfreuen. Das war der Start des Duos Joko und Klaas. Ein Erfolg, der sich noch einige Jahre ziehen soll.

Die Öffentlich-Rechtlichen rufen

2011. Die große Popularität der beiden Moderatoren hielt trotz des Endes von "MTV Home" weiter an. Gemeinsam wechselten sie zu ZDFneo und bekamen die neue Sendung "NeoParadise", die sich kaum von der vorherigen unterschied. Rubriken aus "MTV Home" wurden mitgenommen. Formate wie "Wenn ich Du wäre", "Aushalten" oder der "Buddytag" wurden fortgeführt und waren beliebter denn je.

Das Erbe von Stefan Raab

2013. Die Beliebtheit der beiden Dauerrivalen ließ über die Jahre nicht nach. Deshalb schnappte sich Pro7 die Moderatoren, in der Hoffnung, endlich die Nachfolger für Stefan Raab gefunden zu haben. Dieses Konzept ging in den ersten beiden Jahren voll auf. Obwohl die Show wieder nur ein Aufguss der beiden Vorgänger war, funktionierte sie. Ergänzende Sendungen wie "Das Duell um die Welt" eroberten zusätzlich auch die Samstagabende. Doch die zunehmende Albernheit der Sendungen und vor allem die über die Zeit ausgelutschte Rivalität der beiden funktionierte nicht mehr. Anfang 2017 beschließen sie: Die Show soll enden.

Ein letztes Mal Walk-In

Und nun ist es soweit, der Abschied ist da: Nach dem wirklich gelungen Auftakt kommt das Duo auf die Bühne. In schwarzen Anzügen, immer noch begleitet von Piano-Musik, betreten sie das Studio. Joko inzwischen nur noch mit halblangen Haaren, bei Klaas ist es sogar ein radikaler Kurzhaarschnitt. Während des Einlaufs kommt ein kurzer Zusammenschnitt von nahezu allen Walk-Ins der "Circus HalliGalli"-Historie. Wieder ein kleiner, aber doch effektiver Moment, der die Nostalgie weiter schürt. Empfangen werden die beiden mit tosendem Applaus. "Das wir das noch erleben dürfen nach vier Jahren, ein ehrlicher Applaus", scherzt Klaas und versichert: "Wir wollen aufhören wenn es am schönsten ist." Im Hinterkopf weiß er vermutlich selber, dass das mindestens ein Jahr zu spät ist.

Volle Packung Nostalgie

Die Sendung ist geprägt von Rückblicken und Gesprächen über die vergangenen vier Jahre "Circus HalliGalli" – auch über die berüchtigten Countdown-Segmente, die es heute natürlich ebenfalls gibt. Als das Licht ausgeht, kommt erneut ein kurzer Rückblick auf die verschiedenen bizarren Countdown-Situationen wie dem Klöße-Lied. Dieses Lied aus der ersten Show wird jetzt noch einmal wiederholt.

Weitere schöne Momente ist die Kür der besten Bauchbinden für die Gäste. Und natürlich lässt es sich auch der beliebteste Gast der Show nicht nehmen, aufzutreten: Matthias Schweighöfer enttarnt sich selber als das alberne Maskottchen HalliGallino.

Weitere Gäste sind unter anderem Materia, Cro, Sido, Kool Savas, Casper oder Jan Delay. Sie alle ehren "Circus HalliGalli" mit verschiedenen kurzen Liedtexten. Auch Thomas Gottschalk und Fahri Yardim kommen zu Wort.

Trotz des verzögerten Endes, all der Kritik von Experten und den zunehmend sinkenden TV-Quoten muss man dem Duo zum Schluss ein Lob aussprechen. Während beispielsweise ein Stefan Raab mit TV-Total noch über Jahre weiter machte, beerdigen Joko und Klaas die Show würdig. Sie machen sich sogar noch in der Show über ihre Kritiker lustig.

Dazu haben sie James Blunt eingeladen, der die besten Kritiken am Piano singt. "Klaas ist so klein wie Scheiße" ist nur ein Beispiel dafür. Ein Segment, das nochmal zeigt, warum die beiden über Jahre so erfolgreich waren: Die Fähigkeit, über sich selbst und vor allem die eigene Albernheit zu lachen, war immer charmant und kam beim Publikum an.

Auf ihre eigene Art wird die Sendung fehlen. Die freche Kritik und Aktionen wie der erfolgreiche #goslinggate bei der "Goldenen Kamera" gibt es sonst höchstens noch bei Jan Böhmermann. Am Ende fließen besonders bei Joko die Tränen. "Wir lieben euch, die Zuschauer. Wenn wir was gut gemacht haben, habt ihr uns bestärkt. Wenn etwas schlecht war, auch ordentlich kritisiert", bedanken sich die beiden, während zum Abschluss ein Glas Whisky getrunken wird. Da ist er, der Moment der Rührung mit ein bisschen Gänsehaut.

Dann umarmen sie sich zu melancholischer Musik und verlassen gemeinsam die Bühne. Mit einer Kamerafahrt durch das Backstage-Areal verabschiedet sich "Circus HalliGalli" von der Mattscheibe.

Ein würdiges Ende für über acht Jahre gemeinsame Fernsehsendungen. Da passt der am Anfang der Sendung gesagte Satz von Klaas Heufer-Umlauf doch noch: "Wir wollten aufhören, wenn's am schönsten ist."

In Kooperation mit RP ONLINE.