Mit Claus Theo Gärtner ist es ein bisschen so wie mit Elijah Wood: Während der eine wohl für immer Frodo aus den "Herr der Ringe"-Filme sein wird, bleibt der andere für Fernsehdeutschland auf ewig Josef Matula, der hemdsärmlige Privatermittler aus "Ein Fall für Zwei".

Nach 300 Folgen des ZDF-Krimidauerbrenners stieg Gärtner vor fünf Jahren zwar aus der Reihe aus, nur: "Da kannst du spielen, was du willst, du wirst Matula bleiben", stöhnt der heute 74-Jährige im Interview. Resigniert klingt er nicht, wenn er beim Gespräch in einem kleinen Münchner Hotel von der Rolle seines Lebens erzählt, höchstens ein bisschen müde. Für den 90-Minüter "Der Schatten des Berges" (ZDF, Freitag, 30. März, 21.15 Uhr) kehrt Gärtner zum zweiten Mal als Matula zurück auf die Bildschirme, und dass er beim Interviewtermin eben vor allem über Matula sprechen soll – Gärtner nimmt's gelassen.

prisma: Herr Gärtner, im neuen "Matula" wird Ihre Figur als "harmloser alter Mann ohne Beschäftigung" bezeichnet. Haben Sie sich nach dem Ende von "Ein Fall für Zwei" auch so gefühlt?

Claus Theo Gärtner: Nö. Ich hatte immer so viel zu tun, dass ich auf so eine Idee gar nicht gekommen bin.

prisma: Schon als Sie den ersten "Matuala" gedreht haben, sagten Sie, dass Sie eigentlich keine Lust mehr auf die Rolle hatten. Warum haben Sie es nun dennoch wieder getan?

Gärtner: Weil's Spaß macht! Ist doch schöner als rumsitzen und Rosen schneiden. Und durch die Welt gereist bin ich mit meiner Frau schon genug. Jetzt ist sie in Mexiko, um dort zu arbeiten. Aber was soll ich in Mexiko? Am Strand rumliegen, das ist nichts für mich.

prisma: Einfach abschalten können Sie nicht?

Gärtner: Ich muss einfach immer was machen. Sonst werde ich unruhig.

prisma: Vermissen Sie die Kamera, wenn Sie nicht drehen?

Gärtner: Nein, so ist das heute nicht mehr. Als junger Mann war das anders. Aber nach 300 Folgen "Ein Fall für Zwei" hat man genug davon.

prisma: Können Sie sich ein Leben ohne Matula vorstellen?

Gärtner: Sehr gut sogar! Wenn ich jetzt nicht über Matula sprechen müsste, dann wäre ich weit weg von ihm. Dann würde ich mich erst wieder im September mit ihm beschäftigen, wenn wir den dritten Film drehen.

prisma: War es naiv zu glauben, dass man Sie nicht auf ewig mit der Rolle des Matula verbinden würde?

Gärtner: Das habe ich immer verdrängt. Als ich im Kohl-Film "Der Mann aus der Pfalz" den Heiner Geißler gespielt habe, musste ich das am eigenen Leibe erfahren. Da stand dann anschließend in der Zeitung: "Was macht Matula in der Pfalz?" Da war mir klar: Ich bin verbrannt als Schauspieler. Da kannst du spielen was du willst, du wirst Matula bleiben. Aber so ist das eben. Es ist nur komisch, wenn die Leute zu meiner Frau "Frau Matula" sagen (lacht)! Der Bäckermeister in Basel hat's bis heute nicht begriffen! Aber wir haben es ihm auch nicht beigebracht. Der glaubt jetzt eben, meine Frau und ich heißen Matula.

prisma: Sie haben vor einigen Jahren in einem Interview gesagt, Sie würden sich wie 28 fühlen, aber leider aussehen wie 67. Jetzt sind sie sieben Jahre älter. Wie alt fühlen Sie sich heute?

Gärtner: Wie 50 (lacht!).

prisma: Hält es Sie jung, dass Ihre Frau 35 Jahre jünger ist als Sie?

Gärtner: Ja, das tut es tatsächlich. Weil wir alles zusammen machen: tauchen, reisen ... All das, was ich früher schon gemacht habe, möchte meine Frau jetzt auch erleben. Also mache ich das noch mal, mit ihr. Das hält fit.

prisma: Spüren Sie nicht, wie Ihre Frau mehr Energie und Ausdauer hat?

Gärtner: Na ja. Beim Tauchen ist meine Pressluftflasche schneller leer als meine. Ich bin ja Raucher (lacht)!

prisma: Hätten Sie damals gedacht, dass eine so junge Frau so lange bei Ihnen bleiben würde?

Gärtner: Ich hatte nie befürchtet, dass sie nur das Abenteuer sucht. Bevor wir geheiratet haben, haben wir vier Jahre lang getestet, ob das klappt mit uns. Zu Anfang dachte ich natürlich: Irgendwann kommt ein Jüngerer, und dann ist die weg. Aber jetzt sind es schon 15 Jahre.

prisma: Was ist Ihr Geheimnis für eine lange Ehe?

Gärtner: Das Geheimnis ist, dass jeder seinen Freiraum hat; jeder seinen eigenen Job macht; wir nicht dauernd zusammenglucken und nicht ständig unter einem Dach wohnen. So freut man sich, wenn man sich wiedersieht.

prisma: Und der Altersunterschied?

Gärtner: Wir merken den Altersunterschied nicht. Der interessiert uns auch nicht. Unsere engsten Freunde haben sich sowieso daran gewöhnt.

prisma: Apropos Alter: Machen Sie Ihre Stunts eigentlich noch immer selbst?

Gärtner: Im neuen Film gibt's ja kaum Stunts. Und die ganz gefährlichen habe ich sowieso nie gemacht. Das war immer die Aufgabe von Profis, dafür sind die ja da. Das hätte auch keine Versicherung der Welt zugelassen; die brauchen mich beim Dreh und nicht im Krankenhaus.

prisma: Fanden Sie das schade?

Gärtner: Es war ja so: Bei manchen Drehs hat erst ein Stuntman den Stunt gemacht – für die Versicherung. Und dann haben wir's noch mal gedreht, mit mir. Und diese Szenen natürlich verwendet. Bis auf ein paar blaue Flecken ist dabei aber noch nichts passiert.

prisma: Als jemand, der viele Jahre im Fernsehgeschäft war: Wie stehen Sie zur Me-Too-Debatte?

Gärtner: Es wird Zeit, dass es diese Debatte gibt! Ich selber habe keine Erfahrung damit, ich kenne keinen, bei dem ich gesagt hätte: Mit dem nie wieder!

prisma: Sie haben 1978 mit Dieter Wedel zusammengearbeitet, für den Fernsehfilm "Mittags auf dem Roten Platz" ?

Gärtner: Wedel galt damals schon als Regie-Genie. Was ich ein bisschen übertrieben finde. Ich habe erlebt, wie cholerisch er sein konnte. Und dass er sich seine Opfer ausgesucht hat: Er hat sich nicht an jeden herangetraut. Zur Minna hat er immer nur jemanden gemacht, bei dem er sich das auch getraut hat. Von den Übergriffen, um die es jetzt geht, habe ich persönlich aber nichts mitbekommen. Die Filme, die Wedel gemacht hat, waren gut. Die jetzt nicht mehr zu zeigen, das hilft niemandem.


Quelle: teleschau – der Mediendienst