Düster geht's zu im ZDF-Krimi "Das Mädchen aus dem Totenmoor". Dorf-Kommissar Lorenz Keller (Robert Atzorn) ist nur wenige Tage von seiner Pensionierung entfernt, als im Moor ein Totenschädel entdeckt wird. Der brummige Polizist ist sich sicher: Jetzt endlich wird er seinen als persönliches Versagen empfundenen Dienstmalus wettmachen und einen 15 Jahre zurückliegenden Fall lösen können.

Damals verschwand die 18-jährige Fee, eine Schulfreundin von Kellers Tochter Jutta (Alexandra Neldel), spurlos. Keller verbeißt sich in den Fall – und mit dem Schädel wird auch die 15 Jahre lang mühsam verdeckte tragische Vergangenheit des Dorfes und seiner Bewohner wieder zutage befördert. Das Misstrauen regiert, denn die Tatverdächtigen sind fast so zahlreich wie die Kraniche, die über dem Moor durch die Lüfte gleiten ...

Das Verschwinden von Fee Lohse (Irma Diete) nagte besonders schwer an Lorenz Keller, über all die Jahre. Und deshalb gräbt er fast besessen den alten Fall wieder aus, reißt damit alte Wunden auf und hat im Nu – wie damals – das ganze Dorf gegen sich, sodass es sogar seiner Tochter Jutta und der gelähmten Frau (Heidi Kriegeskotte) schwerfällt, ungetrübtes Verständnis aufzubringen.

Wer war damals der Täter? Hat Torfbauer Hannes (Max von Pufendorf), der Ex-Freund von Jutta, etwas mit der Sache zu tun? Schließlich wurde der Schädel auf seinem Grund und Boden gefunden. Hat Hannes' Mitarbeiter Paul (Matthias Buss) etwas zu verbergen? Oder Lehrer Baumann (Markus Knüfken)? Keller ist zäh wie ein sturer Goldgräber und schürft ohne Rücksicht auf Verluste im "schwarzen Gold" und in der Vergangenheit – und befördert mehr ans Tageslicht, als ihm lieb sein kann.

Starkes Ensemble, bedrückende Bilder

Kommissar Keller ist wie das Moor um sein norddeutsches abgelegenes Dorf: wettergegerbt, durchaus faszinierend und attraktiv, aber von düsterer Grundstimmung. Perfekt besetzt mit Robert Atzorn, der sich bekanntlich gerade erst zum Leidwesen vieler Fans aus dem Schauspielgeschäft zurückgezogen hat. Doch das ZDF spendet nun Trost mit der Wiederholung des Krimis "Das Mädchen aus dem Totenmoor", in dem Atzorn als unnachgiebiger Kommissar überzeugt.

Regisseur Axel Barth hat sich eigentlich durch Arbeiten für "Alarm für Cobra 11" den Ruf als Action-Experte erdreht, wurde aber auch mit Episoden für die ZDF-Serie "Der Kapitän" (mit Robert Atzorn) oder mit dem Abenteuerfilm "Ausgerechnet Afrika" in anderen Genre-Gefilden heimisch. Er hat auch Krimi-Erfahrung ("SOKO Köln"). Mit seinem starken Ensemble und den beeindruckend-bedrückenden Bildern ist ihm ein überzeugender und atmosphärisch dichter TV-Krimi gelungen. Wenn das Moor etwas verschlingt, dann tut es dies quälend langsam, freudlos, kalt und effektiv. In diesem Moor tanzt man selten, hier gibt's keine Explosionen. Und keine Freudenfeuer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst