Immerhin: Über die deutschen Filme im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale wurde geredet. Ach was – es wurde diskutiert, gestritten. Vier waren es insgesamt, die sich um den Goldenen Bären bewarben. Eines eint sie: Der potenzielle große Erfolg an den Kinokassen dürfte allen nicht beschieden sein. Das deutsche Kino gab sich sperrig. Sicher: "3 Tage in Quiberon" über die Schauspielerin Romy Schneider porträtiert einen der größten Kinostars der vergangenen Jahrzehnte und tut das in seiner Erzählweise durchaus eingängig. Doch entschied sich Regisseurin Emily Atef für Schwarzweiß-Bilder, was einem Erfolg an den Kinokassen in der Regel eher abträglich ist. Während also "3 Tage in Quiberon" und auch Christian Petzolds "Transit" fraglos zumindest leidenschaftliche Cineasten hierzulande ansprechen werden, wird sich Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" auch bei dieser Zuschauergruppe schwer tun. Vorsichtig ausgedrückt ...

Größte Aufmerksamkeit beim Publikum wird sicher Emily Atefs Romy-Schneider-Film erzeugen, der am 12. April 2018 in die Kinos kommt. Kein Biopic im klassischen Sinne, vielmehr eine eben genau drei Tage umfassende Momentaufnahme im späten Leben der einzigartigen Schauspielerin. Erzählt wird von einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik, den Romy Schneider 1981 ihrem Sohn David zuliebe macht. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Freundin Hilde (Birgit Minichmayr), die die gesamte Zeit über liebevoll gegen Romys Extravaganzen und Unkontrolliertheiten ankämpft.

Dann sagt die Schauspielerin für ein Interview mit dem "Stern" zu. Der Journalist Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und der Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner), den sie von früher kennt, haben sich angesagt. Es soll das erste große journalistische Porträt seit Jahren für eine deutsche Zeitschrift werden, nachdem sich die Künstlerin lange zuvor aus ihrer Heimat, wo sie stets die "Sissi" blieb, enttäuscht und wütend verabschiedet hatte. Emily Atef, die auch das Drehbuch schrieb, zeigt die Chronik des persönlichen Scheiterns Romy Schneiders komprimiert in knapp zwei Stunden. Mal ist sie zugänglich und charmant, mal verzweifelt und ungerecht – aber eben tatsächlich nicht einmal in diesen wenigen Tagen weg von Alkohol und Tabletten.

Die Hauptrolle spielt Marie Bäumer, die tatsächlich eine ungeheure Ähnlichkeit mit Romy Schneider besitzt, was sicher in den Schwarzweiß-Bildern noch auffälliger wird. Erkennbar ist sie sich der großen Verantwortung bewusst. Sie spielt die Schneider zurückhaltender, als es möglich gewesen wäre und verleiht dem Film so größtmögliche Glaubwürdigkeit. Nur: Wirklich Überraschendes vermag "3 Tage in Quiberon" nicht zu erzählen. Romy Schneider ist hier genau so, wie sie sich der gewöhnliche Leser von Boulevardmedien dermaleinst vorstellte. Dennoch: ein sehenswerter Film.

Ungewöhnliche Szenario in "Transit"

Etwas weniger einfach macht es der Regisseur Christian Petzold seinem Publikum. Der 57-Jährige ist seit Jahren Stammgast bei der Berlinale, diesmal schaffte er es mit dem originellen Flüchtlingsdrama "Transit" in den Wettbewerb. Die gewagte Idee: Die Figuren aus dem Roman von Anna Seghers (1941) wurden einfach in die Jetztzeit transferiert. Eine Weile dauert es, bis man dieses ungewöhnliche Szenario angenommen hat. Dann aber funktioniert es gut.

Franz Rogowski spielt den politischen Flüchtling Georg, der sich in Marseille vor der immer näher heranrückenden diktatorischen Macht verbirgt. Er braucht, um in das sichere Amerika reisen zu können, die entsprechenden Genehmigungen. Schon zuvor kreuzten sich seine Wege auf der Flucht mit denen des Schriftstellers Weidel, der sich das Leben genommen hat. Georg nimmt dessen Identität an. In Marseille angekommen trifft er auf Marie (Paula Beer), die Ehefrau Weidels, die nichts vom Tod ihres Mannes ahnt. Es entspinnt sich eine Art Affäre. Am Ende müssen die Beteiligten ihre eigenen Entscheidungen treffen. Dass das alles von einem lange Zeit Unbekannten (Matthias Brandt) erzählt wird, verleiht dem Film eine besondere Note. Am 5. April 2018 kommt er in die deutschen Kinos.

Applaus und Proteste für "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"

Für die meisten Diskussionen im Wettbewerb sorgte diesmal der dritte deutsche Beitrag, der den spröden Titel "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" trägt. Wohl auch ob seiner fordernden Laufzeit von knapp drei Stunden sorgte er schon im Vorfeld für Skepsis. Und tatsächlich leerte sich bei der Vorabvorführung am Morgen vor der Premieren-Gala am Abend der Berlinale-Palast auf erstaunliche Weise. Am Ende gab es lautstarke Proteste, aber auch Applaus für dieses merkwürdige filmische Experiment.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Robert (Josef Mattes) und Elena (Julia Zange). Letztere bereitet sich auf eine Abiturprüfung in Philosophie vor. Also legen sie sich hin, irgendwo in der Nähe einer Tankstelle auf dem Land und philosophieren. Was eigentlich nach einer interessanten Idee klingt, entpuppt sich bald schon als ungemein zehrende Rederei bis hin zum ausufernden Finale, in dem die Situation aus den Fugen gerät. Nun also Sex und Ballerei ... – Wie immer, finden sich auch diesmal gerade unter den Kritikern einige, die solcherlei cineastische Auswüchse zu schätzen wissen. Ein Kinoerfolg ist dennoch auszuschließen.

Vierter und letzter deutscher Film im Wettbewerb war Thomas Stubers "In den Gängen". Auch hier spielte Franz Rogowski die Hauptrolle. Die Autoren Clemens Meyer und Stuber erhielten während der Berlinale 2015 für "In den Gängen" bereits den Deutschen Drehbuchpreis. Es geht um den Alltag eines Mannes, der als Lagerarbeiter in einem Großmarkt tätig ist und dort die Liebe entdeckt.

Sie heißt Marion, wird von Sandra Hüller gespielt, arbeitet bei den Süßwaren, ist aber eigentlich verheiratet. Mit interessanten Bildern beschreibt der Film, der von seinen beiden Hauptdarstellern lebt, das Erwachen von Liebe inmitten eines ungewohnten Settings. "In den Gängen" startet am 26. April 2018 in den deutschen Kinos.


Quelle: teleschau – der Mediendienst