Das ZDF blickt im Rahmen der beliebten "Mensch"-Reihe hinter die schillernde Fassade des französischen Staatsoberhauptes Emmanuel Macron.

Mit gerade einmal 39 Jahren ist Emmanuel Macron der jüngste französische Präsident aller Zeiten. Und zugleich eine riesige Projektionsfläche: Sein attraktives Äußeres und der Altersunterschied zu seiner Ehefrau Brigitte (64) verzücken den Boulevard; sein staatsmännischer wie entspannter Gestus lässt ihn politisch schon als schillernden Retter Europas erscheinen. In gleichem Maße verachten ihn andere als arrogant und unnahbar. Privat ist über den "Polit-Superstar" Macron tatsächlich wenig bekannt. Die Dokumentation "ZDFzeit: Mensch Macron!" soll das ändern.

"Ich setze um, was ich im Wahlkampf versprochen habe, nicht mehr und nicht weniger", posaunte Macron in einem Interview mit dem ZDF. "Die Menschen haben sich zu sehr an Politiker gewöhnt, die Ankündigungen machen und diese dann nicht umsetzen." Als "Macher" will der 39-Jährige gern gelten. Seine Blitzkarriere half ihm dabei: Wird er das gespaltete Frankreich vereinen? Wird er der Grand Nation zum wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen? Wird er Europa vor den Populisten retten?

Die Hoffnungen, die in Macron gesteckt werden, sind groß. Dabei hat der Sorbonne-Absolvent kaum eine Ahnung, wie die Lebenswelt der Arbeiterklasse aussieht. Die Folge: Hunderttausende, die gegen die Lockerungen der Arbeitsgesetze demonstrieren – zudem ein hilfloser Macron, der bei einem denkwürdigen Treffen weinenden Arbeiterinnen gegenüber sitzt. Den Linken gilt er seither als "Präsident der Wohlhabenden".

Die "ZDFzeit"-Dokumentation nähert sich dem jungen Aufsteiger, dem Weggefährten ein hohes Maß an "strategischer Intelligenz" nachsagen. Große Netzwerke, entscheidende Kontakte, wichtige Stationen: Den Weg zum Präsidentenamt beschreitet Macron mit unglaublicher Cleverness. Wie das Ausnahmetalent dabei mit seinem Charakter spielte, zeichnet der Film eindrücklich nach.

Ein Begleiter spricht über das Verführungstalent des jungen Überfliegers: "Er besitzt die Fähigkeit, seinem Gegenüber das Gefühl zu geben, nur er allein existiere in diesem Moment. Er passt sich auf phänomenale Weise an sein Gegenüber an und übernimmt seine Argumente. Macron ist ein Chamäleon." Eine Eigenschaft, die viele bewundern und viele verachten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst