Jörg Pilawa verspricht den Zuschauern, dass auch in der neu benannten "Silvestershow" noch "100 Prozent Stadl" drin ist. Im Interview blickt er zudem auf das Fernsehjahr zurück und verrät, was ihn immer wieder wundert.

Jörg Pilawa moderiert erneut emeinsam mit Francine Jordi erneut"Die Silvestershow" im Ersten (31.12., 20.15 Uhr), die live aus Graz übertragen wird. Die Sendung heißt nun zwar nicht mehr "Silvesterstadl", doch die Zuschauer müssten nicht um die typischen "Stadl"-Inhalte bangen, beschwichtigt der 52-Jährige, der den Pantoffeln des ARD-"Quiz-Onkels" längst entschlüpft ist. Ein Gespräch über das vergangene Fernsehjahr, gute Vorsätze, Donald Trump, die Jamaika-Verhandlungen und "ein paar kleine Bierchen" während der schweißtreibenden Arbeit ...

prisma: Jörg Pilawa, können Sie das Kalenderjahr 2017 aus Ihrer Sicht in einem Wort zusammenfassen?

Jörg Pilawa: Puh! (überlegt lange)

prisma: Wie wäre es mit "überraschend"?

Pilawa: Die letzte Überraschung war für mich das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen. Egomanie finde ich eine der schlimmsten Charaktereigenschaften, und dass die Egomanie von Alphatieren dazu führt, dass unsere Bundesrepublik nicht mehr regierbar ist, finde ich eine absolute Katastrophe.

prisma: Und aufs Fernsehen bezogen? Irgendwelche Überraschungen?

Pilawa: Ich finde es überraschend, dass diese gestellten RTL-II-Geschichten mit Berlin und Köln immer noch so wahnsinnig erfolgreich sind, genau genommen erfolgreicher denn je. Wir Fernsehmacher fragen uns dann natürlich: Wie kann man dem entgegenwirken?

prisma: Vielleicht mit einer Ursachenanalyse: Warum denken Sie, sind die genannten Formate so beliebt?

Pilawa: Es ist ja so: Die Zuschauer entscheiden sich hier bewusst für ein Programm, in dem ihnen eine fiktive Welt vorgegaukelt wird. Alles wird pseudoreal dargestellt – und den Leuten scheint es egal zu sein. Das ist ein Markenzeichen für eine Gesellschaft und führt so weit, dass es in Amerika jetzt einen Präsidenten gibt, der sich seine Wahrheit selbst aufbaut – und seine Anhänger folgen ihm. Für mich alles sehr befremdlich.

prisma: Kritiker der öffentlich-rechtlichen Sender bemängeln, dass Das Erste und das ZDF sich zu wenig um die jüngeren Zuschauer kümmern und deshalb die Trash-Formate bei den Privaten so gut laufen.

Pilawa: Ich frage umgekehrt: Warum haben die Privaten denn nie versucht, andere Zuschauergruppen zu erreichen, als die, die eben RTL II gucken? Es scheint ihnen zu reichen, wenigen Menschen Trash anzubieten und von Werbeeinnahmen zu leben. Manche betiteln ja auch Sendungen, die eigentlich nur Promi-Meldungen zeigen, als "Nachrichten". Damit suggerieren sie dem Zuschauer, dass diese "Nachrichten" als Informationen völlig ausreichen und noch vor dem wirklich wichtigen weltpolitischen Geschehen stehen.

prisma: Sie haben einmal davon gesprochen, dass beim breiten Fernsehpublikum eine "Sehnsucht" nach Marken bestehe. Nimmt diese Sehnsucht demnach ab und die nach Quatschfernsehen zu?

Pilawa: Früher konnte man eine Marke zumindest schwerer mit einem anderen Programm kaputt machen.

prisma: Eine Marke, die durch die Umbenennung des von Ihnen moderierten "Silvesterstadls" in "Silvestershow" nun endgültig passé ist, ist der "Stadl".

Pilawa: Wir hätten es auch weiterhin "Silvesterstadl" nennen können, denn es ist immer noch 100 Prozent "Stadl" drin. Es war nur so, dass der "Silvesterstadl" immer den Jahreshöhepunkt des "Musikantenstadls" ausmachte, den es ja nicht mehr gibt, weshalb die "Stadl"-Betitelung keinen Sinn gemacht hätte. Mit Bonnie Tyler und Johnny Logan sind wir jetzt zwar sicherlich ein bisschen internationaler unterwegs, aber etwa die Amigos sind ja schon gefühlte 20 Jahre dabei, genauso wie Bernhard Brink. Es ist nach wie vor "Silvesterstadl", heißt nur jetzt "Silvestershow".

prisma: "Stadl" oder nicht: Das Format war der Quotenrenner am Silvestertag des vergangenen Jahres. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Pilawa: Man muss sich immer überlegen, für wen man wann eine Sendung macht. Und wir haben uns gefragt: Wer guckt unsere Silvestershow? Das sind entweder Menschen, die alleine zu Hause sind, oder kleine Gruppen, die parallel zu ihrer eigenen Party gucken. Und wir wollten allen vermitteln, dass sie bei unserer Party mit dabei sind. Das ist in einer Halle wie in Graz natürlich wesentlich besser darzustellen, als es auf einer einfachen Showbühne wäre. Da braucht man dann in der Halle gar nicht so viel Rambazamba mit immer mehr Stars und Feuerwerk, sondern nur eine gute Temperatur der Sendung.

prisma: Ihre private Silvesterparty musste 2016 ja auch nicht ausfallen, denn Ihre Familie war in Graz dabei ...

Pilawa: ... und sie kommt auch dieses Jahr wieder mit. Dieses Mal ist sogar mein ältester Sohn dabei. Er hat von seinen Geschwistern gehört, dass in der Halle in Graz die Post abgeht.

prisma: Wie würden Sie diese Stimmung beschreiben?

Pilawa: Ich habe in 25 Fernsehjahren einiges erlebt, aber das, was dort in Graz los ist, ist wirklich großartig. Das Grazer Publikum ist à la bonne heure! Da herrscht ein Ausnahmezustand, der dann auch bei den Zuschauern zu Hause vor dem Bildschirm rüberkommt.

prisma: Werden Sie eigentlich erst während der Show zum Silvesterpartytypen oder sind Sie das sowieso?

Pilawa: Wenn man keinen Bock auf Silvester und Party hat, darf man so eine Show nicht moderieren. Ich feier' tatsächlich gerne, und Silvester darf man es auch mal richtig krachen lassen. Mir kommt so eine Show also sehr zugute. Im vergangenen Jahre habe ich bestimmt zwei Kilo an Gewicht verloren, und das lag nicht daran, dass wir so lange gemacht haben, sondern dass ich zwischendurch so viel getanzt habe.

prisma: Wie sieht es mit Alkohol während der Show aus?

Pilawa: Ich habe während der letzten Show ein paar kleine Bierchen getrunken, die aber sofort wieder ausgeschwitzt wurden.

prisma: Und in diesem Jahr: Werden Sie wie zu Beginn unseres Gesprächs auch mal politisch? Kommen Jamaika, Donald Trump und andere Themen aus dem Polit-Geschehen 2017 in der Show vor?

Pilawa: Wir überlegen immer, wie wir ein paar Seitenhiebe einbauen können. In so einen Jahresrückblick am Silvesterabend gehört das ja auch rein. Wir werden sicherlich mit herausragenden Ereignissen – positiv wie negativ – arbeiten. Eine Figur wie Donald Trump wurde in meinen Shows 2016 bestimmt auch schon fünf-, sechsmal erwähnt, und das war immer mit einem Lacher verbunden.

prisma: Sie erzählten einmal, Ihnen wären gute Vorsätze fürs neue Jahr eher fremd, aber Sie würden sich zur Jahreswende doch etwas mehr Gedanken machen als sonst.

Pilawa: Das stimmt, ich selbst mache mir keine Vorsätze, aber ich sammle die von anderen Leuten (lacht). Manche erzählen mir, sie würden bald mehr joggen, weniger trinken, nicht mehr rauchen. Und Anfang Februar heißt es dann, dass sie es doch nicht durchgehalten haben. Jedes Jahr das gleiche Schema.

prisma: Und was erwarten Sie vom Fernsehen 2018?

Pilawa: Ich bin gespannt, wie es RTL schaffen wird, den Dschungel wieder emotional aufzuladen. Auch, wie es mit dem Eurovisionsgedanken weitergehen wird. Und wie sich Serien im TV durchsetzen werden.

prisma: Ihre persönlichen TV-Wünsche?

Pilawa: Es gibt aktuell eine wahnsinnige Dynamik auf dem Markt. Der Zuschauer unterliegt einer völligen Überforderung, weil es so viele Programme gibt wie noch nie. Und ich wünsche mir von den Sendern Durchhaltevermögen, sonst können sich viele Formate einfach nicht halten. Kritiker fordern immer Neues, aber wenn man dann mit etwas Neuem kommt, ist es schnell wieder vorbei, wenn man ihm keine Zeit gibt. Man sieht am Erfolg von Quizshows am Vorabend, wie lange es dauert, bis etwas erfolgreich wird.

prisma: Und Ende 2018: Können Sie sich vorstellen, dann wieder in Graz zu stehen?

Pilawa: Oh, das ist eine Gewissensfrage. Die wird dem Familienrat vorgelegt. Da sind wir dann allerdings besser als jede Jamaika-Gesprächsrunde. Das geht ganz schnell bei uns (lacht).


Quelle: teleschau – der Mediendienst