Mit der Idee, dass die Menschheit von Aliens erschaffen wurde, hatten die Wachowski-Geschwister die Chance, eine epische Saga zu inszenieren. Mit "Jupiter Ascending" ist ihnen das allerdings nicht gelungen.

Mit der "Matrix"-Trilogie schufen Andy und Lana Wachowski einen modernen Klassiker der Science Fiction – und bewiesen eindrucksvoll, dass sie gern die wirklich großen Fragen behandeln. Auch das Werk der Geschwister aus dem Jahr 2014, "Jupiter Ascending", behandelt keine Kleinigkeiten. Es geht um die Entstehung der Menschheit. Diese ahnt mal wieder nichts: zum Beispiel davon, dass unsere Gattung einst von adeligen Außerirdischen auf der Erde angebaut wurde. Doch die Alien-Dynastie gerät ins Wanken, als eine junge Erdenfrau (Mila Kunis) durch ihre exklusiven Gene das Erbe der galaktischen Herrscherin in Frage stellt. Es beginnt eine zitatreiche Weltraum-Saga, die ihr episches Potenzial aber durch Belanglosigkeiten verspielt.

"Jupiter Ascending" erinnert natürlich frappant an den philosophisch-religiösen Überbau in "Matrix": Die unwissende Menschheit dient in Wahrheit einer höheren externen Macht, nur eine Auserwählte mit besonderen Eigenschaften kann sie noch retten, muss dafür aber von einem wohlmeinenden Eingeweihten aufgeklärt werden. Diesmal sind es keine unterjochenden Maschinen, die uns aussaugen, sondern ein extraterrestrisches Adelshaus, das die Galaxie beherrscht und nach dem Tod der Despotin gerade in einen veritablen Erbstreit verwickelt ist.

Das Äquivalent zur "Matrix"-Hauptfigur Neo ist die ahnungslose Putzfrau Jupiter Jones. Diese ist recht schockiert, als ihr der ehemalige Söldner Caine (Channing Tatum) mal eben eröffnet, dass sie ein Gen in sich trägt, welches sie zur rechtmäßigen Erbin der Galaxisherrscherin macht. Als der von Wölfen abstammende Muskelklotz sie schließlich darüber aufklärt, dass außerirdische "ursprüngliche" Menschen jene auf der Erde nur angepflanzt haben, um aus ihnen eine Art Unsterblichkeits-Serum zu gewinnen, begreift Jupiter das Ausmaß ihrer Bestimmung: Sie hat es in der Hand, das Universum zu verändern ...

Eine unfreiwillig komische "Star Wars"-Kopie

Die Sci-Fi-Story wird zugunsten eines eindimensionalen Liebesmärchens mit ermüdend langen Actionsequenzen geopfert. Beinahe soapig-schmierig wird eine empathielose Liebesgeschichte aufgetischt, die in jedem Collegefilm komplexer daherkäme. Und nicht einmal das zunächst recht unterhaltsame Herumgeschieße kann das Abdriften in Lächerlichkeiten mit Fremdschämfaktor kaschieren.

Leider haben es die Wachowskis versäumt, sich zwischen ernstzunehmendem Sci-Fi-Fantasyspektakel und abgefahrenem Zitate-Feuerwerk mit einem Haufen Ironie zu entscheiden. So ist "Jupiter Ascending" letztlich nichts als eine unfreiwillig komische "Star Wars"-Kopie inklusive "Matrix"- und Superhelden-Zitaten. Und Dinosauriern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst