Etwa fünf Prozent der Deutschen sind nach Studien Kaufsucht-gefährdet. Diese Anzahl klingt nicht besonders enorm. Und gefährlich schon gar nicht. Anders als beim Alkohol, den Drogen oder dem Rauchen gefährdet das Einkaufen schon mal nicht die Gesundheit, die von anderen erst recht nicht. Dennoch drängen Experten darauf, ständiges Kaufen als Sucht einzuordnen. Selbst eine Anerkennung als eigenständige Erkrankung wird diskutiert. Denn: In Zeiten permanenter Warenverfügbarkeit werde die Kaufsucht wohl weiter an Bedeutung gewinnen, so die Befürchtung. Drei Beispiele im Film von Ann-Kristin Danzenbächer, der nun im Rahmen der ZDF-Reihe "37°" zu sehen ist, zeigen, wie zerstörerisch maßloses Einkaufen wirken kann.

Ein innerer Druck sei es, der Katinka immer wieder antreibe. Hin zu den Angeboten im Internet, zu den Geschäften in ihrer Stadt, wie sie meint. Dabei kauft die 28-Jährige noch nicht einmal für sich selbst ein. Sondern immer und immer wieder für ihre Kinder. Spielsachen türmen sich in der engen Wohnung. Die Kleidung für die Aufwachsenden passt schon nicht mehr in die Schränke. Als sogar die Kinder ihre Mutter darauf ansprechen, sie wollten die vielen Sachen nicht, empfindet Katinka das als Rückschlag.

Psychologen mahnen, dass auch hinter der Kaufsucht eine gewisse Sehnsucht stecke. Betroffene treibt es nach Anerkennung und Bestätigung. Bleibt diese wie im Fall Katinkas und ihrer Kinder aus, folgt eine innere Leer. Der Beginn eines Teufelskreises.

Bis zum Gerichtsprozess

Auch Sonja tilgte den Schmerz einer schwierigen Lebensphase mit schönen Dingen. Zunächst waren es nur Kataloge, die sie gerne ansah. Eine erste Bestellung brachte ein gutes Gefühl. "Sich endlich wieder etwas zu leisten", erinnert sich die 55-Jährige. Aber diesen Kick brauchte sie schließlich immer wieder. Sonjas ohnehin knappe Kasse war zu dieser Zeit jedoch nicht etwa besser gefüllt.

Experten rechnen vor, dass es durch die mit dem zwanghaften Kaufen verbundenen Geldausgaben häufig zu Schulden oder sogar Privatinsolvenzen komme. Oder schlimmer noch wie im Fall des 57-jährigen Jürgen. Schon immer hat er sich für schöne Dinge interessiert und gern gekauft. Doch er brauchte bald immer mehr, kaufte schicke Kleidung in Massen, ausgefallene Wohnaccessoires und stilvolle Autos. Um seine Sucht zu finanzieren, erfand er Arztrechnungen für nie stattgefundene Behandlungen. Nun erwartet ihn ein Gerichtsprozess.


Quelle: teleschau – der Mediendienst