Im vergangenen November erzählte der ARD-Zweiteiler "Brüder" von einem jungen Konvertiten, der nach Syrien ging, um sich dem IS anzuschließen. Anfang des Jahres gab es für den hoch spannenden Film verdient den Deutschen Fernsehpreis. Auch "Macht Euch keine Sorgen" handelt von einem Jungen, der auszieht, um ein Gotteskrieger zu werden. Der Film von Regisseurin Emily Atef (Buch: Kathi Liers, Jana Simon) legt allerdings einen anderen Fokus: Er folgt nicht dem jungen Deutschen Jakob Schenk (Leonard Carow), sondern rückt vor allem seine Eltern und seinen Bruder in den Mittelpunkt.

Stefan (Jörg Schüttauf) und Simone Schenk (Ulrike C. Tscharre) können kaum glauben, was ihnen der Herr vom BKA da eröffnet: "Wir vermuten, dass Jakob sich in Syrien aufhält und sich dort dem islamischen Staat angeschlossen hat." Ihr Sohn, ein Terrorist? Eigentlich dachten sie, Jakob sei mit einem Freund in Spanien. Die Wandlung des jungen Mannes, vom deutschen Durchschnitts-Teenie zum überzeugten Moslem, zeigt der Film in Rückblenden. Da sieht man etwa, wie Jakob krampfhaft versucht, die Toilette im Elternhaus mit dem linken Fuß zuerst zu betreten. Der Koran würde das so lehren, erklärt der Junge, dem noch die letzten Pickel im Gesicht stehen, seinem verdutzten Vater.

Als Jakob dann weg ist, irgendwo in Syrien, beginnt die Spurensuche daheim. Wie konnte es nur soweit kommen? Stefan und Simone suchen den Imam auf, dessen Moschee ihr Sohn seit Monaten besuchte. "Abu Amal" heiße Jakob hier, erklärt ihnen der Prediger, der natürlich die passenden Suren zur Hand hat, um die Gewaltlosigkeit seiner Religion zu unterstreichen. Irgendwann ist Jakobs Eltern klar: Sie selbst tragen die Schuld am Fortgang ihres Sohnes. Das ist aber auch der große Schwachpunkt des Films: Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Islam meidet "Macht Euch keine Sorgen" tunlichst. "Der Islam ist nicht das Problem, und das weißt du", belehrt Stefan seinen Ältesten. Etwas mehr Mut in der Diskussion stünde dem Film, im Jahr drei nach der sogenannten "Flüchtlingskrise", gut zu Gesicht.

Vater Stefan und sein älterer Sohn David (toll: Leonard Scheicher) reisen jedenfalls nach Jordanien, an die Grenze zu Syrien (gedreht wurden diese Szenen übrigens in den Palästinensischen Autonomiegebieten). Sie hoffen, Jakob, mit dem sie zwischenzeitlich Kontakt aufnehmen konnten, zur Heimkehr zu bewegen. Und tatsächlich: Jakob will zurück, will den Islamischen Staat verlassen. Das geht dann auch überraschend einfach – 5000 Euro, gezahlt an den Richtigen, genügen. Rund 45 Filmminuten sind erst rum, als der vermeintlich Geläuterte zurück in der deutschen Reihenhaussiedlung ist.

Die Nachbarn fürchten sich vor Jakob, und immer wieder steht die Polizei vor der Tür. Mal googelt Jakob nach einem jüdischen Restaurant in der Nähe, mal nach einem Segelflugplatz. Zufall? Hat Jakob dem IS wirklich den Rücken gekehrt? Aus dieser Frage zieht die zweite Hälfte des Films ihre Spannung; die Wucht von "Brüder" erreicht "Macht Euch keine Sorgen" trotz fabelhafter Besetzung aber nicht. Der allzu pädagogische Anspruch, den die Degeto-Produktion verfolgt, steht dem leider im Wege.


Quelle: teleschau – der Mediendienst