Nach vier Jahren Pause kehrt ein für Deutschland absolut ungewöhnliches Humor-Produkt zurück auf die Bildfläche: In "Pastewka" spielt ein nicht gerade sympathischer Komiker sein eigenes Berufs- und Privatleben.

Wären Streaming-Dienste nie erfunden worden, die außergewöhnlich Comedy-Serie "Pastewka" wäre wohl den Weg alles Irdischen gegangen. Vier Jahre ist es her, dass SAT.1, Stammsender des bittersüßen Formats, die Show um den prominenten Komiker, der sich selbst spielt, auslaufen ließ. Sieben Staffeln der Kult-Comedy waren bis dahin produziert worden. Zwischen 2005 und 2014 wurde gesendet. Danach hielt man die "Pastewka"-Familie lange im Unklaren. Eine Absage für weitere Folgen erhielt Bastian Pastewka nicht, aber eben auch keinen Auftrag. Nun stellt Amazon Prime Video ab Freitag, 26. Januar 2018, eine achte Staffel mit zehn neuen Folgen ins Netz. Das Ergebnis ist nicht nur eine qualitative Aufwertung, die "Pastewka" längst verdient gehabt hätte. Der Wechsel bestätigt auch, dass sich das Fernsehen dramatisch verändert: Qualitäts-Serien mit fortlaufender Erzählung wandern mehr und mehr zu den Streaming-Diensten.

Als Bastian Pastewka 2005 eine Comedy aus der Taufe hob, in der er seinen Alltag als Komiker mitsamt einer fiktiven Familie inszenierte, war die deutsche Fernsehlandschaft noch eine andere. Beim Privatfernsehen, speziell beim "Pastewka"-Sender SAT.1, sah man sich als Förderer der Comedian-Kultur. Was vor allem am Freitag, wo auch "Pastewka" lief, erkennbar war. Bis 2007, als SAT.1 noch einen Marktanteil von 10,8 Prozent in der jungen Zielgruppe der Zuschauer 14 bis 49 Jahre erreichte, liefen Formate wie "Schillerstraße", Hausmeister Krause" oder "Was guckst du?!" noch überdurchschnittlich gut. Bis zu 15 Prozent Marktanteil holte man mit lustigen Kurzformaten aller Art, die sicher nicht immer mit der ganz feinen Klinge arbeiteten, aber für die Weiterentwicklung deutscher Komödienkultur damals wichtig waren.

"Pastewka" schwamm über sieben Staffeln auf dieser Welle mit, war aber eher etwas für Humor-Feingeister und Lach-Masochisten. Die Serie mit den "Familiemitgliedern" Sonsee Neu, Matthias Matschke, Bettina Lamprecht oder Cristina Do Rego tat nämlich auch ganz schön weh. Bastian Pastewka, der in dem Format wahrscheinlich eigene Charakterdämonen verarbeitet, spielte ein eher eitles und feiges Weichei. Seine hübsche, nette Freundin Anne (Sonsee Neu) hielt er in Sachen Heirat und Kinderwunsch immer weiter hin. Wichtig waren dem Komiker ausschließlich sein TV-Nerdtum und das Bepinseln des eigenen Egos durch Lob und Verhätschelung von außen.

Humor, den nicht jeder versteht

Unterstützt wurde die Persiflage auf TV-Kultur und Komödien-Business durch prominente, regelmäßig wiederkehrende Gaststars wie Anke Engelke, Annette Frier, Christoph Maria Herbst, Hugo Egon Balder oder Michael Kessler, die sich ebenfalls selbst spielten. Pastewka hatte sich das Konzept nicht selbst ausgedacht. Es orientiert sich deutlich an der amerikanischen Comedyserie "Curb Your Enthusiasm" (auf Deutsch: "Lass es, Larry") mit "Seinfeld"-Miterfinder Larry David. Dennoch darf man Pastewkas Transfer als sehr gelungen bezeichnen. Mit dem Schwinden des Komödienbooms bei SAT.1 ließen allerdings auch die Quoten des hochgelobten Spezial-Programms "Pastewka" nach, dessen Humor nicht jeder versteht.

"Am Freitagabend, wo früher halbstündige Comedy-Folgen liefen", erinnert sich Bastian Pastewka jetzt im Interview, "wurden auf einmal lange Casting-Shows gezeigt. Uns sendete man dann um 23.45 Uhr, nachdem vorher stundenlang gesungen wurde. Da haben uns dann selbst die beinharten Fans nicht mehr gefunden." Im Frühjahr 2013 ließ SAT.1 noch eine letzte, siebte Staffel drehen. Doch schon die blieb lange liegen, weil der Sender nichts damit anzufangen wusste. Erst Ende 2014 wurde sie gesendet. "Unser Rhythmus war weg", sagt Pastewka, der mit seinem hochkarätigen Ensemble zuvor immer im Frühjahr drehte, was im folgenden Herbst gesendet wurde.

Produktionsbudget ist sichtbar gestiegen

Vier Jahre suchte man anschließend nach einer neuen Heimat. Leider, so empfindet es Bastian Pastewka heute, kam in dieser Zeit keine klare Absage von SAT.1. Insofern hoffte das Ensemble weiter. Irgendwann sprang Amazon in die Bresche und erteilte einen Auftrag für zehn neue Folgen, die ab 26. Januar 2018 zu begutachten sind. Die "Pastewka"-Familie samt Gaststars blieb die gleiche. Und doch gibt es Änderungen: Die Geschichten werden nun klar fortlaufend erzählt, das Produktionsbudget ist sichtbar gestiegen. Pastewka 2018 ist ein Komiker, der voll in seiner Midlife-Crisis angekommen ist. Während Halbbruder Hagen (Matthias Matschke) und seine Pastewka verhasste "Frau Bruck" (Bettina Lamprecht) tatsächlich eine Familie gründen, ist Bastian plötzlich Single und haust in einem Wohnwagen.

Qualitätiv hat "Pastewka" nicht nachgelassen, optisch wurde es deutlich aufgewertet. Mit seiner fortlaufenden Erzählung passt "Pastewka" zudem in die moderne Serienlandschaft der Streamingdienste, die im klassischen TV offensichtlich nicht funktioniert. Zumindest in Deutschland scheitern im Free-TV sämtliche Qualitätsformate an schwachen Quoten.

"Als wir anfingen", analysiert Bastian Pastewka den Wandel des Formats, "waren wir eine sehr ungeordnete Serie. Eine Mischung aus 'Familie Heinz Becker' und den damals handelsüblichen Sketch-Comedys. Jede Woche gab es ein neues Abenteuer, es war ein großer Spaß und am Ende war alles 'genullt'. Jetzt wollten wir unsere Figuren ernst nehmen und sie sich kontinuierlich entwickeln lasen. Wir erzählen 2018 die passende Staffel zu unserer aller Alter. Es ist die Midlife-Krise, die jetzt kommt." Wenn Lebenskrisen und die Spiegelung des Alltags von Humorarbeitern in Deutschland so unterhaltsam und klug geschieht wie in "Pastewka", darf dessen – in der Serie – gequältes Leben gerne noch lange weiterzählt werden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst