Ein Hauch vom "Tatort" weht auch durch diesen ARD-Film: Da gibt es Animositäten zwischen ermittelnden Kollegen, ein wenig nächtliches Blaulicht und so manche oberflächlich angerissene Beamtenbiografie. Das war's dann aber auch schon mit dem Sonntagskrimi-Charme. Denn "Sanft schläft der Tod" entwickelt sich über seine beachtliche Spielzeit von 130 Minuten zu einem nervenzehrenden Psychothriller, wie man ihn am Samstagabend im Ersten kaum erwarten würde. Großes, hochspannendes Kino ist das.

Inszeniert hat den Film Marco Kreuzpaintner, jener Mann aus Rosenheim, der 2004 mit "Sommersturm" eine viel beachtete Coming-Out-Geschichte in die Kinos brachte und drei Jahre später in den USA "Trade" drehte. Nach einem Drehbuch von Grimmepreisträger Holger Karsten Schmidt (unter anderem für "Mord in Eberswalde" und "Das weiße Kaninchen") drehte er eine atemlose Hetzjagd auf einen Entführer, der die zwei Kinder (Georg Arms, Luisa Römer) von Frank Mendt (Fabian Busch) und seiner Frau Anja (Marleen Lohse) auf Rügen in seine Gewalt gebracht hat.

Am helllichten Tag werden die beiden zusammen mit dem Segelboot entführt, auf dem sie gerade auf ihre Eltern warteten. Ein Großaufgebot der Polizei macht sich auf die Suche, findet aber nicht mehr als einen Zettel, auf dem der Entführer droht, die Kinder zu töten. Eine Lösegeldforderung gibt es nicht. "Es gab da mal einen alten Fall ...", sagt dann, auf dem Revier, plötzlich ein älterer Herr, der aussieht, als sei er gerade der Gosse entstiegen. Es ist Herbert (Manfred Zapatka), Franks Vater, der auf Rügen lebt. Herbert war einst bei der Stasi, hatte sich aber nach dem Fall der Mauer mit seinem Sohn überworfen. Damals ermittelte er in einem Entführungsfall, der frappierende Ähnlichkeiten mit dem Verschwinden seiner Enkelkinder aufweist. Zusammen mit seinem Sohn und der Polizistin Bentje Vogt (Christina Große) besucht er die damals Betroffenen und fördert Erschreckendes zutage.

Matthias Brandt spielt ein perfides Spiel

"Sanft schläft der Tod" bleibt aber mitnichten dröger Recherchekrimi. Mittlerweile kennt der Zuschauer nämlich den Entführer, und der ist ein Scheusal, wie man es so selten zu sehen bekommt. Matthias Brandt spielt dieses eiskalte Monster so eindringlich, dass einem der Atem stockt. Nüchtern, ohne mit der Wimper zu zucken, verfrachtet er die Kinder in den Keller eines verlassenen Waisenhauses und betäubt sie. Dann nimmt er Kontakt auf mit der Mutter und beginnt, ein perfides Spiel mit ihr zu spielen, das an die Substanz geht.

Es geht dann noch um die deutsch-deutsche Vergangenheit in diesem in nordisch-kühlen Farben fotografierten Film und um einen Vater-Sohn-Konflikt, vor allem aber ist "Sanft schläft der Tod" ein bis zur letzten der 130 Minuten spannender Thriller, der in einem fulminanten Finale gipfelt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst