Jennifer Ulrich ist in dem ZDF-Film "Sommer im Allgäu" als Leistungssportlerin zu sehen, die plötzlich im Rollstuhl sitzt – und das bei ihrer Familie auf dem Land.

Bärbel Leitner (Jennifer Ulrich) sitzt zwischen ihrem Mobiliar und ein paar Kisten, die ihr Freund vor dem Haus ausgeladen hat. Die gemeinsame Wohnung in München gibt es jetzt nicht mehr, der Freund wird zum Ex. Der Situation einfach den Rücken kehren und aufstehen kann die zierliche Frau seit einem Unfall nicht mehr. Sie ist eigentlich Leistungssportlerin. Doch die Klettermeisterin ist seit dem Sturz an den Rollstuhl gebunden. Nun muss sie sich einem neuen Leben stellen. Doch gelingt der Neuanfang ausgerechnet in der Heimat?

Wo Blasmusik, Alpenpanorama und lachende Gesichter anfangs noch eine Komödie versprechen, findet der Zuschauer bald ein packendes Drama vor: "Sommer im Allgäu" ist ein Film, der es nicht versäumt, starke Figuren zu zeichnen und den Zuschauer trotz ernster Storyline auch mal zum Schmunzeln zu bringen.

Bärbel überfällt die Wut

Bärbels Freund versucht nur noch Kapital aus Bärbels Unfall zu schlagen und setzt sie kurzerhand bei ihren Eltern ab. Obwohl sie in ihrer ganzen Jugend nur aus dem idyllischen Allgäu wegwollte, ist sie auf einmal hier gefangen. Ihre Familie rund um Mutter Irene (Michaela May) und Vater Hans (Herbert Knaup) kümmert sich liebevoll um sie, ihre Schwester (Teresa Rizos) hat Bärbel sogar einen Physioraum eingerichtet. Denn die Sportlerin hat Hoffnung: Sie ist nicht dauerhaft querschnittsgelähmt, ihre Nervenstränge sind nur verdreht und können daher nicht arbeiten.

Sie kämpft, trainiert und lässt sich nicht davon abhalten, mit dem Rollstuhl exzessiv durch die Landschaft zu streifen. Trotzdem packt auch Bärbel mal der Frust: "Von euch glaubt doch eh keiner, dass ich bald wieder gehen kann!" Auch Bärbel überfällt die Wut, oder sie verzweifelt an ausbleibenden Erfolgen.

Ein berührendes Melodram

Das Drama dreht sich um Bärbels Kampf gegen ihren Körper, aber auch um ihre Familie, Heimat und – wie sollte es anders sein – die Liebe. Sie ist keine wehleidige, traurige Figur, die an ihrem Schicksal verzagt, sondern das genaue Gegenteil: Jennifer Ulrich interpretiert Bärbel kämpferisch und willensstark. Auch ohne viel Worte bringt sie die Gefühle rüber. Regisseurin Jeanette Wagner schuf ein berührendes Melodram, bei dem das Publikum getrost darüber hinwegsehen kann, wenn manche Szenen wie beispielsweise eine Suchaktion mit Drohne etwas zu weit hergeholt scheinen und den Zuschauer, wie könnte es auch anders sein, schließlich ein fast kitschiges Happy End erwartet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst